Glücklich sein: Was Glück bedeutet - und warum es kein Dauerzustand ist

In Heinrich Bölls „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“ entdeckt ein Tourist einen Fischer, der nach getaner Arbeit im Hafen ruht. Der Tourist entwirft für ihn eine beeindruckende Zukunft: mehr Fang, mehr Boote, ein wachsendes Unternehmen und schließlich genug Geld, um ohne Sorgen am Hafen zu sitzen. Der Fischer stellt nur eine kurze Frage: „Und dann?“
Am Ende der langen Wachstumskette wartet genau der Zustand, in dem sich der Fischer bereits befindet.
Die Geschichte macht den Fischer nicht automatisch zum weiseren Menschen. Ein ausreichendes Einkommen, Rücklagen, medizinische Versorgung und echte Wahlfreiheit tragen viel zu einem guten Leben bei. Auch der Aufbau eines Unternehmens kann Sinn, Freude und Selbstwirksamkeit vermitteln. Bölls Anekdote legt eine andere Frage frei: Wissen wir, wofür wir etwas erreichen möchten – und erkennen wir den Moment, in dem es genug ist?
Wer glücklich sein möchte, sucht deshalb nicht zwangsläufig ein intensives Gefühl. Gemeint sein können ein schöner Augenblick, ein stimmiges Leben, Sicherheit, Zugehörigkeit oder das Empfinden, dass das eigene Tun Bedeutung besitzt. Diese Ebenen hängen zusammen. Sie sind jedoch nicht dasselbe.


