Calcitonin

Calcitonin ist ein Peptidhormon, das hauptsächlich in den C-Zellen der Schilddrüse gebildet wird. Es ist am Calcium- und Knochenstoffwechsel beteiligt und kann die Aktivität knochenabbauender Zellen hemmen. Medizinisch besitzt Calcitonin vor allem als Laborwert und in bestimmten Arzneimitteln Bedeutung.

Was ist Calcitonin?

Calcitonin besteht aus 32 Aminosäuren und wird auch als Thyreocalcitonin bezeichnet. Obwohl es in der Schilddrüse entsteht, gehört es nicht zu den klassischen jodhaltigen Schilddrüsenhormonen Thyroxin beziehungsweise T4 und Trijodthyronin beziehungsweise T3.

Seine bekannteste Wirkung betrifft den Calciumhaushalt. Steigt die Calciumkonzentration im Blut, kann dies die Freisetzung von Calcitonin fördern. Das Hormon wirkt dann vor allem auf Knochen und Nieren.

Wo wird Calcitonin gebildet?

Die Bildung erfolgt hauptsächlich in den sogenannten parafollikulären C-Zellen der Schilddrüse. Diese Zellen liegen zwischen den Schilddrüsenfollikeln, produzieren aber keine Schilddrüsenhormone wie T3 und T4.

Der Buchstabe C wird häufig mit Calcitonin in Verbindung gebracht. Die Bezeichnung geht ursprünglich jedoch auf das helle beziehungsweise klare Erscheinungsbild der Zellen bei bestimmten mikroskopischen Färbungen zurück.

Wie wirkt Calcitonin auf Knochen und Calcium?

Im Knochen bindet Calcitonin an Rezeptoren der Osteoklasten. Diese Zellen bauen Knochensubstanz ab und setzen dabei unter anderem Calcium frei. Calcitonin kann ihre Aktivität bremsen und dadurch die Freisetzung von Calcium aus dem Knochen vermindern.

An den Nieren kann Calcitonin die Ausscheidung von Calcium und Phosphat beeinflussen. In pharmakologischen Dosierungen kann es dadurch helfen, einen deutlich erhöhten Calciumspiegel im Blut zu senken.

  • Knochen: Hemmung der osteoklastenvermittelten Knochenresorption
  • Nieren: erhöhte Ausscheidung von Calcium und Phosphat möglich
  • Blut: eine hohe pharmakologische Dosis kann den Calciumspiegel senken

Unter normalen Bedingungen besitzt Calcitonin beim erwachsenen Menschen allerdings keine so zentrale Stellung, wie es eine vereinfachte Darstellung des Calciumstoffwechsels vermuten lässt. Menschen ohne Schilddrüse können trotz fehlender Calcitoninproduktion einen normalen Calciumspiegel besitzen. Auch sehr hohe Calcitoninwerte führen nicht zwangsläufig zu einer ausgeprägten Unterkalzämie.

Calcitonin, Parathormon und Calcitriol: Was ist der Unterschied?

Der Calciumspiegel wird durch mehrere Hormone reguliert. Parathormon und Calcitriol bilden dabei die wichtigsten langfristigen Regelsysteme. Calcitonin wirkt in einigen Bereichen in die entgegengesetzte Richtung, ist aber kein gleichwertiger Gegenspieler.

HormonBildungsortTypische ReaktionWirkung auf den Calciumspiegel
CalcitoninC-Zellen der SchilddrüseFreisetzung kann bei steigendem Calcium zunehmenkann den Calciumspiegel senken
ParathormonNebenschilddrüsenFreisetzung steigt bei sinkendem Calciumerhöht den Calciumspiegel
CalcitriolBildung vor allem in den Nieren aus Vitamin-D-Vorstufenwird unter anderem durch Parathormon reguliertfördert unter anderem die Calciumaufnahme im Darm

Die vereinfachte Formel „Parathormon erhöht Calcium, Calcitonin senkt Calcium“ beschreibt die grundsätzliche Richtung. Sie bildet die tatsächliche Bedeutung der Hormone beim Menschen jedoch nur teilweise ab.

Warum wird Calcitonin im Blut gemessen?

Die Calcitoninmessung dient nicht zur allgemeinen Beurteilung der Schilddrüsenfunktion oder der Calciumversorgung. Ihr wichtigster Einsatzbereich ist die Abklärung bestimmter Veränderungen der C-Zellen.

Dazu gehören insbesondere:

  • die Unterstützung bei der Diagnose eines medullären Schilddrüsenkarzinoms
  • die Abklärung einer C-Zell-Hyperplasie
  • die Verlaufskontrolle nach der Behandlung eines medullären Schilddrüsenkarzinoms
  • die Suche nach einem Wiederauftreten der Erkrankung
  • die Untersuchung von Personen mit einem erblich erhöhten Risiko, etwa bei MEN 2

Das medulläre Schilddrüsenkarzinom entsteht aus den Calcitonin bildenden C-Zellen. Dadurch kann der Calcitoninspiegel deutlich ansteigen. Der Wert wird in diesem Zusammenhang als Tumormarker verwendet.

Was bedeutet ein erhöhter Calcitoninwert?

Ein erhöhter Calcitoninwert kann auf eine verstärkte Aktivität oder Vermehrung der C-Zellen hinweisen. Besonders hohe Werte können den Verdacht auf ein medulläres Schilddrüsenkarzinom erhärten.

Ein einzelner erhöhter Messwert beweist jedoch keine Krebserkrankung. Calcitonin kann auch durch andere Erkrankungen, Medikamente, physiologische Situationen oder Besonderheiten der Messmethode beeinflusst werden. Die Interpretation erfolgt deshalb zusammen mit Anamnese, Ultraschall, weiteren Laborwerten und gegebenenfalls genetischen oder bildgebenden Untersuchungen.

Ein niedriger Calcitoninwert gilt dagegen nicht als Hinweis auf einen Calcitoninmangel. Für eine zu geringe körpereigene Calcitoninproduktion ist kein eigenständiges klinisches Mangelsyndrom bekannt.

Ist Calcitonin dasselbe wie Procalcitonin?

Nein. Procalcitonin ist eine Vorstufe von Calcitonin, wird diagnostisch aber in einem völlig anderen Zusammenhang verwendet.

LaborwertTypischer Einsatz
Calcitoninvor allem Abklärung und Verlaufskontrolle von C-Zell-Erkrankungen und medullärem Schilddrüsenkarzinom
ProcalcitoninBeurteilung schwerer bakterieller Infektionen und einer möglichen Sepsis

Die ähnlichen Namen führen leicht zu Verwechslungen. Ein Procalcitoninwert zur Einschätzung einer Infektion sagt nichts über die Calcitoninproduktion der Schilddrüse aus.

Wird Calcitonin als Medikament eingesetzt?

Calcitonin kann auch als Arzneistoff hergestellt werden. Verwendet wird häufig synthetisches Lachs-Calcitonin, das stärker und länger am menschlichen Calcitoninrezeptor wirkt als das körpereigene Hormon.

Medizinische Einsatzbereiche können je nach Zulassung und individueller Situation unter anderem sein:

  • die kurzfristige Behandlung einer ausgeprägten Hyperkalzämie
  • bestimmte Fälle des Morbus Paget
  • ausgewählte Situationen bei Osteoporose, wenn andere Therapien nicht geeignet sind

Die Arzneimitteltherapie ist nicht mit der natürlichen Calcitoninproduktion oder einer Nahrungsergänzung vergleichbar. Calcitonin ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff und wird wegen begrenzter Wirksamkeit, möglicher Nebenwirkungen und vorhandener Therapiealternativen nur in klar definierten Situationen eingesetzt.

Kurz zusammengefasst

Calcitonin ist ein Peptidhormon aus den C-Zellen der Schilddrüse. Es kann den Knochenabbau durch Osteoklasten hemmen und die Ausscheidung von Calcium über die Nieren beeinflussen. Für die normale Calciumregulation erwachsener Menschen sind Parathormon und Calcitriol allerdings bedeutender.

Der Calcitonin-Blutwert wird vor allem zur Abklärung und Verlaufskontrolle des medullären Schilddrüsenkarzinoms verwendet. Calcitonin darf nicht mit Procalcitonin verwechselt werden, das als Laborwert bei schweren bakteriellen Infektionen eine Rolle spielt.

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