Der Geist in den Genen: Was von der epigenetischen Revolution geblieben ist

Kann der Hunger eines Großvaters das Krankheitsrisiko seiner Enkel verändern? Trägt ein Kind biologische Spuren eines Traumas, das vor seiner Geburt geschah? Solche Fragen machten die Epigenetik zu einer der faszinierendsten wissenschaftlichen Erzählungen der vergangenen Jahrzehnte.
Dokumentationen wie Das Gedächtnis der Gene verbanden historische Familienregister aus dem schwedischen Överkalix mit Untersuchungen an Holocaust-Überlebenden und Babys von Frauen, die die Anschläge vom 11. September 2001 während ihrer Schwangerschaft erlebt hatten. Plötzlich schien es, als könnten Erfahrungen eine Nachricht im Erbgut hinterlassen, die noch Generationen später gelesen wird.
Die Forschung hat seitdem viel gelernt. Sie hat bestätigt, dass Gene kein starres Programm sind und Erfahrungen biologische Prozesse prägen können. Sie hat aber auch gezeigt, wie schwer es ist, eine solche Prägung von einer echten Vererbung über Ei- oder Samenzellen zu unterscheiden. Die epigenetische Revolution war real – nur nicht ganz die Revolution, die uns damals versprochen wurde.










