Alzheimer-Bluttest p-Tau217: Was er zeigt – und für wen er gedacht ist
Seit Mai 2026 trägt ein p-Tau217-Bluttest von Roche eine CE-Kennzeichnung nach der europäischen IVDR; im Juli folgte ein Test von Beckman Coulter [1, 2]. Beide messen phosphoryliertes Tau an Position 217 (p-Tau217), einen Blutmarker, der mit Alzheimer-typischen Veränderungen im Gehirn zusammenhängt. Die Bestimmung wird in Deutschland auch als Selbstzahlerleistung angeboten [3].

Für Menschen mit Gedächtnisbeschwerden ist das ein echter Fortschritt. Zur Absicherung Alzheimer-typischer Veränderungen dienen bislang vor allem die Untersuchung des Nervenwassers über eine Lumbalpunktion und das Amyloid-PET. Ein Bluttest ist deutlich weniger invasiv und kann als frühe Entscheidungshilfe dienen, wer eine weiterführende Liquor- oder PET-Diagnostik braucht [3].
Anders sieht es bei Menschen ohne Beschwerden aus. Ein Test kann eine Veränderung sehr genau messen und trotzdem wenig darüber verraten, was bei einem einzelnen gesunden Menschen in zehn oder fünfzehn Jahren geschieht. Dieser Ratgeber zeigt, was p-Tau217 anzeigt, wie verlässlich das Ergebnis je nach Ausgangslage ist und welche Fragen du vor einem Test für dich klären solltest.
Was der p-Tau217-Test misst
Bei der Alzheimer-Krankheit verändern sich im Gehirn zwei Eiweiße. Beta-Amyloid lagert sich zwischen den Nervenzellen zu sogenannten Plaques ab. Tau stabilisiert in gesunden Nervenzellen das innere Transportsystem. Im Krankheitsverlauf wird Tau an vielen Stellen chemisch verändert: Es erhält zusätzliche Phosphatgruppen, löst sich von seinen Strukturen und verklumpt innerhalb der Zellen zu Fasern.
p-Tau217 ist eine dieser veränderten Formen. Die Zahl 217 bezeichnet die Stelle in der Eiweißkette, an der die Phosphatgruppe sitzt. Kleine Mengen gelangen ins Blut und lassen sich dort mit hochempfindlichen Verfahren messen. In frühen Krankheitsstadien spiegelt der Blutwert vor allem die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn wider, in späteren Stadien zunehmend auch die Tau-Veränderungen [3].
p-Tau217 ist damit ein Biomarker: ein Messwert, der mit krankheitstypischen Veränderungen zusammenhängt. Ein einzelner Wert aus einem beliebigen Test ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer klinischen Alzheimer-Diagnose. Er sagt insbesondere nicht für sich allein voraus, ob und wann Beschwerden entstehen [3]. Dieser Unterschied zwischen Biomarker, biologischer Veränderung und klinischer Erkrankung zieht sich durch den gesamten Artikel.
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Inhaltsverzeichnis
Wie genau ist der Bluttest?
Die Genauigkeit des Tests wurde vor allem bei Menschen untersucht, die wegen Gedächtnisproblemen ärztlich abgeklärt wurden. Als Vergleich dient jeweils eine etablierte Methode: die Analyse des Nervenwassers oder das Amyloid-PET.
In einer schwedischen Studie mit Patientinnen und Patienten aus Hausarztpraxen und Gedächtnisambulanzen lag ein Bluttest auf Basis von p-Tau217 bei rund neun von zehn Personen richtig. Ärztinnen und Ärzte, die ohne Biomarker urteilten, trafen deutlich seltener zu: in Hausarztpraxen in 61 Prozent, in spezialisierten Ambulanzen in 73 Prozent der Fälle [4].
Ein vollautomatisierter Test, wie ihn Routinelabore einsetzen können, wurde bei 1.767 Personen mit Gedächtnisbeschwerden aus fünf europäischen Zentren geprüft. Er lag in spezialisierten Ambulanzen in 89 bis 91 Prozent der Fälle richtig, in Hausarztpraxen in 85 Prozent [5].
Auf dieser Grundlage empfiehlt die US-amerikanische Alzheimer’s Association seit 2025 ausreichend treffsichere Bluttests für die Abklärung von Menschen mit nachweisbaren kognitiven Einschränkungen in spezialisierten Einrichtungen [6]. Die deutsche S3-Leitlinie Demenzen ist zurückhaltender: Die Feststellung einer zerebralen Amyloidpathologie oder anderer neuropathologischer Veränderungen soll derzeit nicht allein auf blutbasierten Biomarkern beruhen. Die Leitlinie empfiehlt eine Absicherung durch etablierte Marker in Liquor oder PET und eine fachkundige Interpretation [7].
Negativ, Grauzone, positiv
Viele Labore arbeiten mit zwei Grenzwerten. Liegt der Wert unter dem unteren, sind Alzheimer-Veränderungen unwahrscheinlich. Liegt er über dem oberen, sind sie wahrscheinlich. Dazwischen liegt eine Grauzone, in der keine verlässliche Aussage möglich ist.
In der großen europäischen Studie fielen 12 bis 17 Prozent der Ergebnisse in diese Grauzone. Außerhalb davon lag der Test in 92 bis 94 Prozent der Fälle richtig [5]. Bei älteren Menschen und bei eingeschränkter Nierenfunktion stieg der Anteil unklarer Ergebnisse auf 19 bis 20 Prozent. Vermutlich liegt das daran, dass eine schwächere Nierenleistung den p-Tau217-Wert auch ohne Alzheimer-Veränderungen leicht anheben kann [5].
Hinzu kommt: Für p-Tau217 gibt es bisher keine allgemein gültigen Grenzwerte, die Werte können je nach Labor und Testverfahren unterschiedlich ausfallen [3]. Ergebnisse aus verschiedenen Laboren lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres vergleichen.
Bis hierhin reicht für das Grundverständnis
Bei Menschen mit Gedächtnisbeschwerden erkennt ein guter p-Tau217-Test Alzheimer-Veränderungen im Gehirn in rund neun von zehn Fällen richtig. Ein Teil der Ergebnisse bleibt unklar, und die deutsche Leitlinie verlangt für eine Diagnose weiterhin mehr als einen Blutwert.
Mit oder ohne Beschwerden: Warum das den Unterschied macht
Die hohe Trefferquote gilt für die Situation, in der sie gemessen wurde. Menschen mit und ohne Gedächtnisbeschwerden stellen dem Test zwei verschiedene Fragen.
Bei Beschwerden lautet sie: Stecken Alzheimer-Veränderungen hinter den Problemen, die ich gerade bemerke? Ohne Beschwerden lautet sie: Werde ich in den kommenden Jahren an Demenz erkranken? Die erste Frage betrifft den Zustand des Gehirns heute. Die zweite betrifft eine Zukunft, die von vielen weiteren Faktoren abhängt.
Dazu kommt ein statistischer Effekt. Unter Menschen, die wegen Gedächtnisproblemen ärztliche Hilfe suchen, ist Alzheimer-Pathologie vergleichsweise häufig; in der großen europäischen Studie lag sie bei 55 Prozent [5]. In einer beschwerdefreien Bevölkerung tritt eine klinische Demenz innerhalb eines überschaubaren Zeitraums deutlich seltener auf. Dadurch kann ein auffälliges Ergebnis dort einen wesentlich niedrigeren positiven Vorhersagewert haben. Hinzu kommt, dass die Studien nicht dieselbe Frage beantworten: Bei Beschwerden geht es um gegenwärtige Alzheimer-Pathologie, bei Gesunden um eine mögliche Erkrankung in der Zukunft.
Bei Gedächtnisbeschwerden
Für diese Situation sind die beiden CE-gekennzeichneten p-Tau217-Tests gedacht. Sie sollen bei Menschen mit Gedächtnisbeschwerden oder anderen Anzeichen eines kognitiven Abbaus die klinische Bewertung einer Amyloid-Pathologie unterstützen [1, 2]. Auch die Empfehlungen der Alzheimer’s Association zu Blutbiomarkern beziehen sich auf Menschen mit nachweisbaren kognitiven Einschränkungen [6].
Ein unauffälliger Wert macht Alzheimer als Ursache unwahrscheinlich. Dann rücken andere Erklärungen in den Vordergrund, die ohnehin zur Abklärung gehören, etwa auffällige Schilddrüsenwerte, ein Vitamin-B12-Mangel oder veränderte Leber- und Nierenwerte [3]. Ein auffälliger Wert ist der Anlass für weitere Untersuchungen und kann für die Frage wichtig werden, ob eine der neuen Therapien infrage kommt.
Ohne Beschwerden
Für Menschen ohne kognitive Einschränkungen raten die aktuellen Diagnosekriterien der Alzheimer’s Association derzeit von einer Biomarker-Testung außerhalb von Forschungsstudien ab [8]. Die deutsche Patientenleitlinie Demenz formuliert es ähnlich: Ein Bluttest speziell auf die Alzheimer-Krankheit wird im Allgemeinen nicht empfohlen und soll nicht die alleinige Grundlage einer Diagnose sein [9].
Wie gut p-Tau217 bei Menschen ohne Demenz die Zukunft vorhersagt, hat ein Team aus Bochum und Heidelberg mit Daten der saarländischen ESTHER-Studie untersucht. Für diese Biomarkeranalyse wurden 779 Personen ausgewertet: 385 Teilnehmende mit einer im Verlauf diagnostizierten Demenz und 394 zufällig ausgewählte Kontrollen. Die Ausgangsproben stammten von Menschen, die bei der Blutabnahme 50 bis 75 Jahre alt waren; die Nachbeobachtung reichte bis zu 17 Jahre [10]. Der hohe Anteil an Demenzfällen in dieser Analysestichprobe ist deshalb keine Erkrankungsrate der Allgemeinbevölkerung.
Für Alzheimer-Diagnosen in den ersten neun Jahren nach der Blutabnahme war p-Tau217 deutlich aussagekräftiger als für spätere. Bei Diagnosen, die erst 9 bis 17 Jahre danach gestellt wurden, sank die Trennschärfe auf eine AUC von 0,656 [10]. Zum Vergleich: 0,5 bedeutet keine Trennfähigkeit über den Zufall hinaus, 1,0 eine perfekte Trennung der Gruppen.
In einer kleineren Teilgruppe wurde p-Tau217 direkt mit einem Bluttest auf fehlgefaltetes Beta-Amyloid verglichen. Gerade für Alzheimer-Diagnosen 9 bis 17 Jahre nach der Blutabnahme schnitt dieser Marker besser ab. Das Verfahren stammt aus der Forschung der Bochumer Arbeitsgruppe selbst und der direkte Vergleich umfasste nur 55 Alzheimer-Fälle und 180 Kontrollen [10]. Dieser Befund ist deshalb deutlich vorläufiger als die Hauptanalyse.
Eine schwedische Bevölkerungsstudie mit 2.148 demenzfreien Menschen ab 60 Jahren zeigt ein ähnliches Bild aus einer anderen Richtung [11]. Ein erhöhter p-Tau217-Wert ging mit einem höheren Demenzrisiko einher. Beim verwendeten Grenzwert entwickelten im Testdatensatz innerhalb von zehn Jahren 33,3 Prozent der Personen mit auffälligem p-Tau217 eine Demenz jeglicher Ursache. Umgekehrt blieben 94,8 Prozent der Personen mit unauffälligem Wert in diesem Zeitraum demenzfrei [11]. Die Forschenden folgern, dass sich solche Marker in der Allgemeinbevölkerung derzeit eher zum Ausschluss einer in den kommenden Jahren auftretenden Demenz eignen als als alleiniger Screeningtest zur Früherkennung.
Was diese Zahlen im Alltag bedeuten
Die folgende Übersicht stellt die Ergebnisse beider Situationen gegenüber. Sie zeigt, wie oft ein auffälliges oder unauffälliges Ergebnis zutraf.
| Situation | Mit Gedächtnisbeschwerden | Ohne Demenz, Allgemeinbevölkerung ab 60 Jahren |
|---|---|---|
| Frage an den Test | Liegen jetzt Alzheimer-Veränderungen im Gehirn vor? | Tritt innerhalb von zehn Jahren eine Demenz auf? |
| Auffälliges Ergebnis traf zu | bei rund 8 bis 9 von 10 Personen [5] | bei etwa 1 von 3 Personen (33,3 %) [11] |
| Unauffälliges Ergebnis traf zu | bei rund 8 bis 9 von 10 Personen [5] | bei rund 95 von 100 Personen (94,8 %) [11] |
Die beiden Studien beantworten unterschiedliche Fragen und lassen sich deshalb nicht eins zu eins vergleichen. Sie zeigen aber, warum dieselbe Laborzahl je nach Ausgangssituation eine andere Bedeutung bekommt. Bei Menschen mit Beschwerden kann p-Tau217 aktuelle Alzheimer-Pathologie mit hoher Genauigkeit erkennen. Bei beschwerdefreien Menschen ist ein auffälliger Einzelwert wesentlich weniger geeignet, eine spätere klinische Demenz vorherzusagen: In der schwedischen Studie entwickelte die Mehrheit der positiv Getesteten innerhalb von zehn Jahren keine Demenz [11].
Was aus einem Ergebnis folgt – und was nicht
Dass der Bluttest gerade jetzt in die Versorgung kommt, hat mit neuen Medikamenten zu tun. In der EU sind seit 2025 zwei Antikörper gegen Amyloid-Ablagerungen zugelassen: Lecanemab seit April [12] und Donanemab seit September [13]. Beide dürfen nur bei leichter kognitiver Störung oder leichter Demenz durch Alzheimer eingesetzt werden, wenn Amyloid-Ablagerungen nachgewiesen sind und die Betroffenen höchstens eine Kopie der Genvariante ApoE4 tragen [12, 13].
Für diese Menschen kann ein Bluttest ein früher Schritt auf dem Weg zu einer Therapieentscheidung sein. Für Menschen ohne Beschwerden gibt es dagegen keine zugelassene Behandlung, die ein auffälliger Wert eröffnen würde.
Dazu kommt die persönliche Seite. Ein Befund lässt sich nicht zurücknehmen. Wer ohne Beschwerden von einem erhöhten Wert erfährt, trägt diese Information womöglich viele Jahre mit sich, ohne dass sich daraus ein Schritt ergibt, der nicht ohnehin sinnvoll wäre.
Was ein auffälliger Wert ohne Beschwerden nicht bedeutet:
- Er ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer klinischen Alzheimer-Diagnose.
- Er sagt nicht verlässlich voraus, ob und wann Gedächtnisprobleme auftreten.
- Er eröffnet keine zugelassene Behandlung.
Umgekehrt ist ein unauffälliger Wert kein Freibrief. p-Tau217 ist vor allem mit Alzheimer-Pathologie verknüpft. In der ESTHER-Studie war der Marker nach Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren beispielsweise nicht statistisch signifikant mit einer späteren vaskulären Demenz assoziiert [10].
Lässt sich p-Tau217 senken?
Die Frage taucht häufig auf, sobald ein erhöhter Wert im Raum steht. Für Donanemab ist bei Menschen mit früher symptomatischer Alzheimer-Krankheit ein deutlicher Rückgang von p-Tau217 gegenüber Placebo belegt [14].
Ein sinkender Wert ist allerdings nicht automatisch ein zuverlässiger Therapie-Monitor. Eine 2026 veröffentlichte Sekundäranalyse der Donanemab-Studie zeigte, dass p-Tau217 die im Amyloid-PET nachgewiesene Plaque-Clearance nur unzureichend erkannte; beim massenspektrometrisch bestimmten p-Tau217 lag die AUC nach 52 Wochen bei 0,61 [15]. Studien, die eine gezielte Senkung des p-Tau217-Werts durch Ernährung, Bewegung oder Nahrungsergänzungsmittel zeigen, liegen bislang nicht vor.
Aussagekräftiger ist der Blick auf beeinflussbare Risikofaktoren für Demenz insgesamt. Die Lancet-Kommission zur Demenzprävention nennt 14 solcher Faktoren, darunter Bluthochdruck, Diabetes, erhöhtes LDL-Cholesterin, Rauchen, Bewegungsmangel, unbehandelter Hörverlust und soziale Isolation [16]. Nach ihrer Modellrechnung ließen sich bis zu 45 Prozent der Demenzfälle verhindern oder hinauszögern, wenn alle diese Faktoren beseitigt wären. Die Rechnung beruht auf Beobachtungsdaten und beschreibt ein theoretisches Potenzial für die Bevölkerung, keine Garantie für den einzelnen Menschen [16].
Diese Empfehlungen gelten unabhängig davon, wie ein p-Tau217-Wert ausfällt. Für Menschen ohne Beschwerden ändert das Testergebnis wenig an dem, was sie sinnvollerweise tun können.
Ablauf, Kosten und Kostenübernahme in Deutschland
Am Anfang steht ein ärztliches Gespräch. Bei Gedächtnisbeschwerden gehören dazu die Krankengeschichte, kurze Gedächtnistests und eine Standard-Blutuntersuchung [3]. Für die p-Tau217-Bestimmung wird EDTA-Blut abgenommen. Die Präanalytik ist wichtig: Beim von LADR beschriebenen Verfahren soll die Blutabnahme möglichst nüchtern erfolgen, und für Vollblut, Zentrifugation sowie Transport gelten konkrete Zeit- und Temperaturvorgaben [3].
Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Bestimmung im Blut derzeit nicht, es handelt sich um eine Selbstzahlerleistung. Ein großer deutscher Laborverbund berechnet nach der ärztlichen Gebührenordnung 56,83 Euro für die reine p-Tau217-Analyse und 207,64 Euro für ein Profil aus mehreren Demenzmarkern. Hinzu kommen Blutabnahme und ärztliche Beratung. Ob eine private Krankenversicherung die Kosten übernimmt, muss im Einzelfall geklärt werden [3].
Vor einem Test helfen einige Fragen:
- Welcher Test wird verwendet, ist er CE-gekennzeichnet, und für welchen Anwendungszweck ist er vorgesehen?
- Welche Grenzwerte gelten, und was passiert bei einem Ergebnis in der Grauzone?
- Wer bespricht das Ergebnis mit mir, und welche Untersuchungen würden folgen?
- Was würde ich bei einem auffälligen Ergebnis anders machen als bei einem unauffälligen?
Die letzte Frage ist die persönlichste. Lautet die ehrliche Antwort „nichts“, liefert der Test vor allem eine Information, mit der man anschließend leben muss.
Fazit
Der p-Tau217-Bluttest ist ein echter Fortschritt für die Abklärung von Gedächtnisbeschwerden. Bei Betroffenen erreicht er für Alzheimer-Pathologie in Studien eine diagnostische Genauigkeit von rund 90 Prozent und kann den diagnostischen Weg vereinfachen [4, 5]. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt derzeit trotzdem, die Feststellung neuropathologischer Alzheimer-Veränderungen nicht allein auf einen Blutbiomarker zu stützen [7].
Bei Menschen ohne Beschwerden ist die Lage anders. Die Vorhersagekraft für eine spätere Demenz ist begrenzt, die meisten auffälligen Ergebnisse führen innerhalb von zehn Jahren nicht zu einer Erkrankung, und für diese Situation gibt es keine zugelassene Behandlung [10, 11]. Fachgremien raten derzeit von einer Testung ohne Beschwerden außerhalb von Studien ab [8, 9].
Die Frage nach dem Zustand des Gehirns heute beantwortet der Test gut. Die Frage nach der eigenen Zukunft beantwortet er bislang nur unscharf.
Was möchtest du jetzt machen?
- Du bemerkst Gedächtnisprobleme bei dir oder einem Angehörigen: Der erste Schritt ist die Hausarztpraxis oder eine Gedächtnisambulanz. Dort lässt sich klären, ob ein Bluttest als Teil der Abklärung sinnvoll ist.
- Du hast keine Beschwerden, machst dir aber Sorgen: Ein Gespräch über Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Hörvermögen und Bewegung ist nach heutigem Stand der nützlichere Ausgangspunkt als ein einzelner Biomarker-Wert.
- Du möchtest verstehen, warum mehr Messwerte nicht automatisch mehr Wissen bedeuten: Unser Ratgeber zur Diagnostik der Zukunft geht dieser Frage ausführlich nach.
Wenn du bereits ein Ergebnis in der Hand hältst, besprich es mit einer Ärztin oder einem Arzt mit Erfahrung in der Biomarker-Diagnostik. Ein einzelner Wert ohne fachkundige Bewertung sagt wenig.
FAQ – Häufige Fragen zum Alzheimer-Bluttest p-Tau217
Was ist p-Tau217?
p-Tau217 ist eine chemisch veränderte Form des Tau-Proteins, bei der an Position 217 der Eiweißkette eine Phosphatgruppe hängt. Der Blutwert steigt vor allem, wenn sich im Gehirn Alzheimer-typische Amyloid-Ablagerungen gebildet haben [3].
Kann ich den Test auch ohne Beschwerden machen lassen?
Als Selbstzahlerleistung ist das möglich. Aktuelle Diagnosekriterien und die deutsche Patientenleitlinie raten jedoch davon ab [8, 9]. Bei Menschen ohne Demenz ist die Vorhersagekraft für eine spätere Erkrankung begrenzt, und aus einem auffälligen Ergebnis ergibt sich keine zugelassene Behandlung [10, 11].
Was kostet der Test, und zahlt die Krankenkasse?
Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Bestimmung derzeit nicht. Ein großer deutscher Laborverbund berechnet für die reine p-Tau217-Analyse 56,83 Euro, hinzu kommen Blutabnahme und ärztliche Beratung. Private Versicherungen entscheiden im Einzelfall [3].
Muss ich zur Blutabnahme nüchtern sein?
Die Vorgaben unterscheiden sich je nach Labor. Einige Labore empfehlen eine möglichst nüchterne Blutabnahme [3]. Am besten fragst du in der Praxis nach, die die Probe entnimmt.
Ist ein erhöhter Wert eine Alzheimer-Diagnose?
Nicht automatisch. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt, die Feststellung von Amyloidpathologie oder anderen neuropathologischen Veränderungen nicht allein auf Blutbiomarker zu stützen [7]. Die Alzheimer’s Association ordnet ausreichend genaue p-Tau217-Verfahren zwar als biologische Alzheimer-Biomarker ein, empfiehlt ihre klinische Anwendung derzeit aber für symptomatische und nicht für kognitiv unauffällige Personen [8]. Zudem können Begleiterkrankungen und das verwendete Testverfahren die Einordnung beeinflussen.
Kann ich meinen p-Tau217-Wert senken?
Unter Donanemab wurde bei früher symptomatischer Alzheimer-Krankheit ein deutlicher Rückgang von p-Tau217 beobachtet [14]. Der Wert bildet die tatsächliche Amyloid-Clearance im PET jedoch nur unzureichend ab [15]. Für eine gezielte Senkung durch Ernährung, Bewegung oder Nahrungsergänzungsmittel fehlen entsprechende Studien. Beeinflussbare Demenz-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Hörverlust bleiben unabhängig vom Messwert relevant [16].
Worin unterscheidet sich p-Tau217 von p-Tau181?
Beide sind veränderte Formen des Tau-Proteins. p-Tau181 steigt erst später im Krankheitsverlauf deutlich an und gilt im Blut als weniger aussagekräftig [3]. In der ESTHER-Studie sagte p-Tau217 spätere Alzheimer-Diagnosen besser voraus als p-Tau181 [10].
Quellen
- [1] Roche. Roche receives CE mark for new blood test to detect Alzheimer’s pathology: Elecsys® plasma phosphorylated-tau 217 (pTau217). Pressemitteilung vom 12.05.2026.
- [2] Beckman Coulter Diagnostics. Beckman Coulter Diagnostics Expands Alzheimer’s Portfolio with CE-Marked p-Tau217 Blood Test and New High-Specificity Research Assay. Pressemitteilung vom 07.07.2026.
- [3] LADR Der Laborverbund Dr. Kramer & Kollegen. Bluttest zur Demenz- und Alzheimer-Diagnostik. LADR informiert Nr. 392, 06/2026.
- [4] Palmqvist S, Tideman P, Mattsson-Carlgren N et al. Blood Biomarkers to Detect Alzheimer Disease in Primary Care and Secondary Care. JAMA. 2024;332(15):1245–1257. DOI: 10.1001/jama.2024.13855.
- [5] Palmqvist S, Warmenhoven N, Anastasi F et al. Plasma phospho-tau217 for Alzheimer’s disease diagnosis in primary and secondary care using a fully automated platform. Nature Medicine. 2025;31:2036–2043. DOI: 10.1038/s41591-025-03622-w.
- [6] Palmqvist S, Whitson HE, Allen LA et al. Alzheimer’s Association Clinical Practice Guideline on the use of blood-based biomarkers in the diagnostic workup of suspected Alzheimer’s disease within specialized care settings. Alzheimer’s & Dementia. 2025;21:e70535. DOI: 10.1002/alz.70535.
- [7] Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) (Hrsg.). S3-Leitlinie Demenzen, Version 6.1 vom 27.04.2026. AWMF-Registernummer 038-013.
- [8] Jack CR Jr, Andrews JS, Beach TG et al. Revised criteria for diagnosis and staging of Alzheimer’s disease: Alzheimer’s Association Workgroup. Alzheimer’s & Dementia. 2024;20:5143–5169. DOI: 10.1002/alz.13859.
- [9] Deutsche Hirnstiftung. Leitlinie Demenz für Patient*innen und Angehörige. 1. Auflage, April 2026 (auf Grundlage der S3-Leitlinie Demenzen, Version 6.0).
- [10] Trares K, Duman D, Beyer L et al. Predictive value of plasma p-tau217 for Alzheimer’s dementia compared to other blood-based biomarkers. EMBO Molecular Medicine. 2026;18:3374–3388. DOI: 10.1038/s44321-026-00483-9.
- [11] Grande G, Valletta M, Rizzuto D et al. Blood-based biomarkers of Alzheimer’s disease and incident dementia in the community. Nature Medicine. 2025;31:2027–2035. DOI: 10.1038/s41591-025-03605-x.
- [12] European Medicines Agency (EMA). Leqembi (lecanemab): European Public Assessment Report (EPAR). EU-Zulassung vom 15.04.2025.
- [13] European Medicines Agency (EMA). Kisunla (donanemab): European Public Assessment Report (EPAR). EU-Zulassung vom 24.09.2025.
- [14] Sims JR, Zimmer JA, Evans CD et al. Donanemab in Early Symptomatic Alzheimer Disease: The TRAILBLAZER-ALZ 2 Randomized Clinical Trial. JAMA. 2023;330(6):512–527. DOI: 10.1001/jama.2023.13239.
- [15] Collins EC, Lu M, Beck R et al. Plasma P-tau217 for detecting amyloid clearance after donanemab in Alzheimer’s disease. Alzheimer’s & Dementia. 2026;22(8):e71740. DOI: 10.1002/alz.71740.
- [16] Livingston G, Huntley J, Liu KY et al. Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. The Lancet. 2024;404(10452):572–628. DOI: 10.1016/S0140-6736(24)01296-0.
Weiterführende Ratgeber auf Gesundheitsfundament
- Diagnostik der Zukunft: Warum mehr Messwerte nicht automatisch zu besseren Entscheidungen führen und wo moderne Diagnostik an Grenzen stößt.



