Neuroplastizität: Wie Dein Gehirn lernt und neue Wege bildet

Stell Dir Dein Gehirn wie einen großen Schneehügel vor, auf den immer wieder frischer Schnee fällt. Jeden Tag fährst Du dort Deine Bahnen: beim Denken, Lernen, Erinnern und bei vielen kleinen Abläufen, die längst automatisch geworden sind.
Eine Strecke, die Du häufig benutzt, wird mit der Zeit deutlicher. Der Schnee wird festgefahren, die Spur leichter befahrbar. Wege, die Du kaum noch nimmst, werden dagegen langsam wieder zugeschneit. Sie verschwinden nicht unbedingt, sind aber schwerer zu finden.
Manchmal fällt ein Baum auf eine vertraute Strecke. Nach einem Schlaganfall, bei Multipler Sklerose oder durch eine andere Schädigung des Nervensystems können bisher genutzte Verbindungen gestört werden. Das Gehirn kann unter bestimmten Voraussetzungen andere Strecken stärker nutzen, Umleitungen ausbauen oder Aufgaben teilweise neu verteilen. Ob und wie gut das gelingt, lässt sich aus dem Prinzip allein jedoch nicht vorhersagen.[1]
Diese Fähigkeit zur Anpassung heißt Neuroplastizität oder neuronale Plastizität. Lernen und Erfahrung können messbare funktionelle und strukturelle Veränderungen im Gehirn begleiten. Das erwachsene Gehirn ist damit kein fertiger Bauplan, aber auch keine beliebig formbare Masse.[2]
Dieser Ratgeber erklärt, was sich bei Neuroplastizität tatsächlich verändert, wie aus Wiederholung eine stabile Spur wird und warum Plastizität nicht automatisch Heilung bedeutet. Am Ende wird auch klarer, welche Bedingungen Lernen und Anpassung unterstützen können.










