Welche Arten von Kopfschmerzen gibt es? Kopfschmerztypen verstehen und unterscheiden

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Bei manchen Menschen drückt es wie ein Band um den Kopf. Andere erleben einen pulsierenden Schmerz auf einer Seite, einen stechenden Schmerz hinter dem Auge oder Beschwerden, die vom Nacken in den Hinterkopf ziehen.
Wer verstehen möchte, welche Art von Kopfschmerz dahinterstecken könnte, schaut deshalb meist zuerst auf den Schmerzort: Stirn, Schläfen, Hinterkopf, Auge oder eine bestimmte Kopfseite. Das ist ein sinnvoller Anfang. Eine Diagnose lässt sich daraus allein jedoch nicht ableiten.
Entscheidend ist das gesamte Muster. Vier Fragen helfen bei der ersten Orientierung:
- Wo? An welcher Stelle des Kopfes tritt der Schmerz auf?
- Wie? Ist er drückend, pulsierend, stechend oder bohrend?
- Wann und wie lange? Kommt er anfallsartig, über Stunden, bei Belastung oder nahezu dauerhaft?
- Was kommt dazu? Gibt es Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, ein tränendes Auge, Nackenbeschwerden, Fieber oder neurologische Symptome?
Zu den bekanntesten primären Kopfschmerzarten gehören Kopfschmerzen vom Spannungstyp, Migräne und Clusterkopfschmerzen. Daneben existieren weitere primäre Kopfschmerzerkrankungen und zahlreiche sekundäre Kopfschmerzen, bei denen der Schmerz im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung oder einem anderen Auslöser entsteht.
Dieser Artikel hilft Dir, diese Muster zu verstehen, Beobachtungen sinnvoll zu ordnen und zu erkennen, wann eine medizinische Abklärung wichtiger ist als die weitere Suche nach einer passenden Kopfschmerzart.
Inhaltsverzeichnis
- Kopfschmerzen einordnen: Vier Merkmale sind wichtiger als ein einzelner Schmerzpunkt
- Welche Arten von Kopfschmerzen gibt es?
- Primäre und sekundäre Kopfschmerzen unterscheiden
- Wo befinden sich Deine Kopfschmerzen?
- Wie fühlt sich der Kopfschmerz an?
- Wann treten die Kopfschmerzen auf?
- Begleitsymptome liefern wichtige Hinweise
- Wenn Nacken, Kiefer, Augen oder Nebenhöhlen beteiligt sein könnten
- Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch
- Warum ein Kopfschmerztagebuch so hilfreich sein kann
- Wann Kopfschmerzen medizinisch abgeklärt werden sollten
- Wie möchtest Du jetzt weitermachen?
- Fazit: Das Kopfschmerzmuster ist wichtiger als ein einzelnes Merkmal
- FAQ – Häufige Fragen zu Kopfschmerzarten
Kopfschmerzen einordnen: Vier Merkmale sind wichtiger als ein einzelner Schmerzpunkt
Kopfschmerzen werden medizinisch nicht allein danach unterschieden, an welcher Stelle sie auftreten. Der Schmerzort ist nur ein Teil eines größeren Musters.
Ein einseitiger Kopfschmerz kann beispielsweise zu einer Migräne passen. Einseitigkeit allein macht einen Kopfschmerz aber noch nicht zur Migräne. Ebenso kann ein Schmerz hinter dem Auge beim Clusterkopfschmerz auftreten, kommt aber auch bei anderen Kopfschmerzformen und Erkrankungen des Auges vor.
Hilfreicher wird die Beobachtung, wenn mehrere Merkmale zusammen betrachtet werden:
- Wo beginnt der Schmerz und wohin zieht er?
- Ist er einseitig, beidseitig oder wechselt die Seite?
- Ist der Schmerz drückend, pulsierend, stechend oder bohrend?
- Wie stark ist er?
- Wie lange dauert eine einzelne Episode?
- Wie oft tritt der Kopfschmerz auf?
- Verstärkt Bewegung den Schmerz?
- Treten Übelkeit, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit auf?
- Tränt oder rötet sich ein Auge?
- Bestehen gleichzeitig Nacken-, Kiefer-, Seh- oder Infektbeschwerden?
- Welche Medikamente werden gegen den Kopfschmerz eingenommen und wie oft?
Der wichtigste Gedanke für die weitere Einordnung
Der Schmerzort ist ein Hinweis, aber keine Diagnose.
Je mehr Informationen zu Schmerzcharakter, Dauer, Häufigkeit, Begleitsymptomen und Verlauf hinzukommen, desto aussagekräftiger wird das Kopfschmerzmuster.
Welche Arten von Kopfschmerzen gibt es?
Die internationale Kopfschmerzklassifikation unterscheidet zahlreiche Kopfschmerzerkrankungen. Für eine erste Orientierung sind drei bekannte primäre Formen besonders wichtig: Kopfschmerzen vom Spannungstyp, Migräne und Clusterkopfschmerzen.
Sie unterscheiden sich unter anderem darin, wie der Schmerz empfunden wird, wie lange Attacken dauern, ob Bewegung den Kopfschmerz verstärkt und welche Begleitsymptome auftreten.
| Kopfschmerzform | Typisches Schmerzmuster | Weitere Hinweise |
|---|---|---|
| Kopfschmerz vom Spannungstyp | Häufig beidseitig, drückend oder beengend, leicht bis mittelstark | Körperliche Routineaktivität verstärkt den Schmerz typischerweise nicht; ausgeprägte Übelkeit ist untypisch |
| Migräne | Häufig einseitig und pulsierend, mittelstark bis stark | Bewegung kann den Schmerz verstärken; Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit sind typische Begleitmerkmale |
| Clusterkopfschmerz | Sehr stark, streng einseitig, meist um Auge und Schläfe | Attacken dauern typischerweise 15 bis 180 Minuten; auf derselben Seite können Tränenfluss, Augenrötung oder eine laufende beziehungsweise verstopfte Nase auftreten |
Kopfschmerzen vom Spannungstyp
Der Kopfschmerz vom Spannungstyp wird typischerweise als drückend oder beengend beschrieben. Viele Menschen verwenden Bilder wie ein zu enges Band oder einen Druck um den Kopf. Der Schmerz liegt häufig auf beiden Seiten und erreicht meist eine leichte bis mittlere Intensität.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur typischen Migräne ist die Reaktion auf alltägliche Bewegung. Gehen oder Treppensteigen verstärken einen Kopfschmerz vom Spannungstyp normalerweise nicht deutlich.
Übelkeit und Erbrechen gehören bei der episodischen Form nicht zum typischen Bild. Licht- oder Geräuschempfindlichkeit können vorkommen, allerdings nicht in derselben Kombination, wie sie für eine Migräne charakteristisch sein kann.
Der Begriff „Spannungskopfschmerz“ kann dabei leicht in die Irre führen. Er bedeutet nicht, dass jeder entsprechende Kopfschmerz lediglich durch verspannte Muskeln oder psychischen Stress entsteht. Die Mechanismen sind komplexer; insbesondere bei chronischen Verläufen spielen auch zentrale Mechanismen der Schmerzverarbeitung eine Rolle.
Auch deshalb sollte ein wiederkehrender drückender Kopfschmerz nicht automatisch mit der Erklärung „mein Nacken ist eben verspannt“ abgeschlossen werden.
Migräne
Migräne ist eine neurologische Kopfschmerzerkrankung. Typische Migräneattacken dauern unbehandelt bei Erwachsenen mehrere Stunden bis Tage. Der Schmerz ist häufig einseitig und pulsierend, kann aber auch anders lokalisiert sein.
Typisch ist außerdem, dass alltägliche Bewegung den Schmerz verstärken kann oder Betroffene Bewegung während einer Attacke vermeiden. Hinzukommen können Übelkeit, Erbrechen sowie eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen.
Bei einem Teil der Menschen tritt eine Migräne mit Aura auf. Dabei können beispielsweise vorübergehende Sehphänomene, Gefühlsstörungen oder Sprachstörungen entstehen. Typische Aurasymptome entwickeln sich allmählich und bilden sich wieder zurück. Neu auftretende neurologische Symptome sollten jedoch nicht eigenständig als Migräneaura eingeordnet werden, bevor andere Ursachen ausgeschlossen wurden.
Auch die Vorstellung, Migräne sei einfach eine Folge sich erweiternder Blutgefäße, greift zu kurz. An Migräne sind komplexe neuronale und neurovaskuläre Prozesse beteiligt. Genetische Faktoren können die Anfälligkeit beeinflussen, erklären aber nicht allein, wann und warum eine einzelne Attacke auftritt.
Wie diese Mechanismen zusammenspielen, vertiefen wir im Ratgeber Was passiert bei Migräne?.
Clusterkopfschmerzen
Clusterkopfschmerzen gehören zu den trigemino-autonomen Kopfschmerzerkrankungen. Sie unterscheiden sich deutlich von typischen Spannungskopfschmerzen und Migräneattacken.
Der Schmerz ist sehr stark bis extrem stark und streng einseitig. Er sitzt typischerweise im Bereich des Auges, oberhalb des Auges oder an der Schläfe. Eine unbehandelte Attacke dauert nach der internationalen Klassifikation meist zwischen 15 und 180 Minuten.
Besonders charakteristisch sind Begleiterscheinungen auf derselben Seite wie der Schmerz. Dazu können gehören:
- ein gerötetes oder tränendes Auge
- eine laufende oder verstopfte Nase
- eine Schwellung des Augenlids
- Schwitzen im Bereich von Stirn oder Gesicht
- ein kleiner wirkender Pupillendurchmesser
- ein herabhängendes Augenlid
Viele Betroffene erleben während einer Attacke außerdem eine ausgeprägte körperliche Unruhe. Das unterscheidet Clusterkopfschmerzen von einer Migräneattacke, bei der Ruhe und das Vermeiden von Bewegung häufig eher angenehm sind.
Der Name „Cluster“ beschreibt die Häufung der Attacken. Sie können über Wochen oder Monate wiederholt auftreten, bevor längere beschwerdefreie Phasen folgen.
Weitere primäre Kopfschmerzformen
Migräne, Spannungskopfschmerz und Clusterkopfschmerz bilden nicht die gesamte Welt der primären Kopfschmerzerkrankungen.
Die internationale Klassifikation beschreibt unter anderem auch:
- primären stechenden Kopfschmerz
- primären Hustenkopfschmerz
- primären Anstrengungskopfschmerz
- primären Kopfschmerz bei sexueller Aktivität
- kältebedingten Kopfschmerz
- schlafgebundenen Kopfschmerz
- neu aufgetretenen täglichen anhaltenden Kopfschmerz
Diese Bezeichnungen sollten nicht dazu verleiten, einen neuen oder ungewöhnlichen Kopfschmerz selbst einer vermeintlich harmlosen Kategorie zuzuordnen. Besonders plötzlich einsetzende, belastungsabhängige oder durch Husten und Pressen ausgelöste neue Kopfschmerzen können eine weitergehende Abklärung erforderlich machen.
Primäre und sekundäre Kopfschmerzen unterscheiden
Eine der wichtigsten Ordnungen bei Kopfschmerzen ist die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen.
Bei einer primären Kopfschmerzerkrankung ist der Kopfschmerz selbst die Erkrankung. Dazu gehören beispielsweise Migräne, Kopfschmerz vom Spannungstyp und Clusterkopfschmerz.
Bei einem sekundären Kopfschmerz entsteht der Schmerz im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung oder Störung. Die Aufgabe besteht dann nicht nur darin, den Schmerz zu lindern, sondern den zugrunde liegenden Zusammenhang zu erkennen.
Das bedeutet nicht, dass sekundäre Kopfschmerzen automatisch gefährlich sind. Ein Infekt kann ebenso einen sekundären Kopfschmerz verursachen wie eine Erkrankung der Nebenhöhlen oder eine Störung im Bereich von Halswirbelsäule, Augen oder Zähnen.
Auf der anderen Seite befinden sich unter den sekundären Ursachen auch Erkrankungen, die rasch behandelt werden müssen. Deshalb ist bei neuen oder deutlich veränderten Kopfschmerzen der Verlauf oft wichtiger als die Frage, ob der Schmerz gerade wie Migräne oder Spannungskopfschmerz aussieht.
Primär oder sekundär?
Primär: Der Kopfschmerz ist eine eigenständige Kopfschmerzerkrankung.
Sekundär: Der Kopfschmerz tritt als Folge oder Begleiterscheinung eines anderen gesundheitlichen Problems auf.
Auch beide Ebenen können nebeneinander bestehen. Ein Mensch mit bekannter Migräne kann beispielsweise zusätzlich aus einem anderen Grund Kopfschmerzen entwickeln.
Welche Ursachen können hinter sekundären Kopfschmerzen stecken?
Die möglichen Zusammenhänge sind breit. Die internationale Kopfschmerzklassifikation ordnet sekundäre Kopfschmerzen unter anderem Erkrankungen und Störungen folgender Bereiche zu:
- Kopf- oder Halsverletzungen
- Gefäßerkrankungen im Kopf- oder Halsbereich
- andere Erkrankungen innerhalb des Schädels
- Substanzen, Medikamente oder deren Entzug
- Infektionen
- Störungen des inneren Gleichgewichts des Körpers
- Erkrankungen von Halswirbelsäule oder Halsstrukturen
- Augenerkrankungen
- Erkrankungen von Ohren, Nase oder Nebenhöhlen
- Zahn- oder Kiefererkrankungen
Diese Liste ist keine Anleitung zur Selbstdiagnose. Sie zeigt vielmehr, warum Kopfschmerzen manchmal eine breitere Betrachtung verdienen als die Frage: „Welche Tablette hilft dagegen?“
Wo befinden sich Deine Kopfschmerzen?
Der Schmerzort ist häufig das Erste, was Menschen an ihren Kopfschmerzen beschreiben. Das ist nützlich, weil verschiedene Kopfschmerzerkrankungen typische Verteilungsmuster besitzen.
Die gleichen Regionen können jedoch von unterschiedlichen Strukturen und Mechanismen beeinflusst werden. Ein roter Punkt auf einer Kopfgrafik kann deshalb niemals eindeutig zeigen, welche Kopfschmerzart vorliegt.
Kopfschmerzen an der Stirn
Schmerzen im Stirnbereich können bei unterschiedlichen Kopfschmerzformen auftreten. Ein Spannungskopfschmerz kann den vorderen Kopfbereich einschließen. Auch Migräne kann frontal wahrgenommen werden.
Bei gleichzeitigem Infekt, verstopfter Nase, Druckgefühl und weiteren typischen Beschwerden können auch Nase und Nebenhöhlen eine Rolle spielen. Der Ort „Stirn“ allein reicht jedoch nicht aus, um daraus eine Nebenhöhlenentzündung abzuleiten.
Hilfreicher sind weitere Fragen: Ist der Schmerz beidseitig oder einseitig? Drückend oder pulsierend? Bestehen Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit? Gibt es gleichzeitig ausgeprägte Nasen- oder Infektsymptome?
Kopfschmerzen an den Schläfen
Schläfenschmerzen kommen unter anderem bei Migräne, Kopfschmerzen vom Spannungstyp und Clusterkopfschmerzen vor. Auch Kiefermuskulatur und Kiefergelenk können Schmerzen in diese Region projizieren.
Bei Menschen über 50 Jahren verdient ein neu aufgetretener Schläfenkopfschmerz besondere Aufmerksamkeit, wenn gleichzeitig eine druckempfindliche Kopfhaut, Schmerzen beim Kauen oder Sehstörungen auftreten. Solche Beschwerden können zu einer Riesenzellarteriitis, auch Arteriitis temporalis genannt, passen und sollten rasch medizinisch beurteilt werden.
Auch hier zeigt sich: Die Schläfe beschreibt zunächst den Ort. Erst Begleitsymptome und Verlauf liefern die entscheidenden Zusatzinformationen.
Kopfschmerzen am Hinterkopf
Hinterkopfschmerzen werden häufig automatisch mit dem Nacken verbunden. Dieser Zusammenhang ist möglich, aber nicht zwingend.
Schmerzen aus Strukturen des Halses oder der oberen Halswirbelsäule können in Richtung Hinterkopf und teilweise weiter nach vorne ausstrahlen. Auch ein Kopfschmerz vom Spannungstyp kann den Hinterkopf einbeziehen. Migräne ist ebenfalls nicht auf Stirn oder Schläfe beschränkt.
Bei der Frage nach einer möglichen Beteiligung des Nackens sind deshalb andere Beobachtungen interessanter als der Hinterkopfschmerz allein:
- Ist die Beweglichkeit der Halswirbelsäule eingeschränkt?
- Lässt sich der typische Kopfschmerz durch bestimmte Kopfbewegungen provozieren?
- Beginnt der Schmerz wiederholt im Nacken und zieht anschließend nach vorne?
- Verändert sich der Kopfschmerz parallel zu den Nackenbeschwerden?
Ein MRT-Befund an der Halswirbelsäule beweist dabei nicht automatisch, dass der gefundene Befund die Kopfschmerzen verursacht. Veränderungen der HWS finden sich auch bei Menschen ohne Kopfschmerzen.
Kopfschmerzen hinter dem Auge
Schmerzen hinter oder um ein Auge fallen besonders auf, weil sie sehr klar lokalisiert erscheinen.
Ein streng einseitiger sehr starker Schmerz im Bereich eines Auges kann zusammen mit Tränenfluss, Augenrötung, Nasenlaufen und ausgeprägter Unruhe zu einem Clusterkopfschmerz passen. Auch Migräne kann im Augen- oder Stirnbereich wahrgenommen werden.
Daneben existieren Erkrankungen des Auges selbst, die Kopf- oder Augenschmerzen verursachen können. Ein akutes Engwinkelglaukom kann beispielsweise mit starken einseitigen Augen- beziehungsweise Kopfschmerzen, einem geröteten Auge, verschwommenem Sehen, Übelkeit und Erbrechen einhergehen. Ein akutes Engwinkelglaukom ist ein augenärztlicher Notfall und muss umgehend behandelt werden.
Ein neuer starker Schmerz hinter einem Auge sollte deshalb nicht allein anhand einer Kopfschmerzgrafik als Migräne oder Clusterkopfschmerz eingeordnet werden.
Kopfschmerzen oben auf dem Kopf
Auch Schmerzen am Scheitel oder „oben auf dem Kopf“ bilden keine eigene Kopfschmerzdiagnose. Die Region kann bei unterschiedlichen primären und sekundären Kopfschmerzformen betroffen sein.
Gerade bei solchen weniger charakteristischen Schmerzorten werden die anderen Merkmale besonders wichtig: Schmerzqualität, Dauer, Häufigkeit, Ausstrahlung und Begleitsymptome.
Einseitige oder beidseitige Kopfschmerzen
Die Frage nach der Seite ist diagnostisch nützlich, aber ebenfalls nicht eindeutig.
Migräne ist häufig einseitig, muss es jedoch nicht in jeder Attacke sein. Kopfschmerz vom Spannungstyp ist typischerweise beidseitig. Clusterkopfschmerzen zeigen dagegen ein besonders charakteristisches streng einseitiges Muster.
Bei zervikogenen Kopfschmerzen kann ebenfalls eine Seite dominieren. Entscheidend sind dann zusätzliche Hinweise auf einen Zusammenhang mit Nackenbewegung oder einer Erkrankung beziehungsweise Funktionsstörung im Halsbereich.
Auch ein Wechsel der Schmerzseite ist eine Information, die sich in einem Kopfschmerztagebuch festhalten lässt.
Wie fühlt sich der Kopfschmerz an?
Neben dem Schmerzort gehört der Schmerzcharakter zu den wichtigsten Beschreibungen. „Kopfschmerz“ kann sich wie Druck, Pulsieren, Stechen, Bohren, Brennen oder Ziehen anfühlen.
Die Begriffe sind subjektiv. Trotzdem helfen sie, wiederkehrende Muster zu erkennen.
Drückende oder beengende Kopfschmerzen
Ein drückender, nicht pulsierender Schmerz passt klassisch zum Kopfschmerz vom Spannungstyp. Typischerweise liegt er beidseitig und wird als leicht bis mittelstark erlebt.
Das bedeutet nicht, dass jeder Druck im Kopf ein Spannungskopfschmerz ist. Druckgefühle können auch in anderen Zusammenhängen auftreten. Erst das Gesamtbild macht die Beschreibung aussagekräftig.
Pulsierende oder pochende Kopfschmerzen
Ein pulsierender oder pochender Schmerz ist ein typisches Merkmal der Migräne. Besonders aussagekräftig wird diese Beobachtung, wenn der Schmerz gleichzeitig mittelstark bis stark ist, durch Bewegung zunimmt und von Übelkeit oder Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet wird.
Auch hier gilt allerdings: Ein einzelnes Merkmal reicht nicht für eine Diagnose.
Stechende oder bohrende Kopfschmerzen
Stechende Schmerzen können sehr unterschiedliche Bedeutungen besitzen. Kurze stechende Schmerzimpulse kommen bei bestimmten primären Kopfschmerzformen vor. Sehr intensive bohrende Schmerzen um das Auge können zu Clusterkopfschmerzen passen.
Auch Neuralgien können als blitzartig einschießende oder elektrische Schmerzen wahrgenommen werden. Dabei handelt es sich jedoch um eine andere Gruppe von Schmerzsyndromen und nicht einfach um einen weiteren Ort auf der klassischen Kopfschmerzkarte.
Neu auftretende starke stechende Schmerzen sollten vor allem dann medizinisch eingeordnet werden, wenn sie plötzlich beginnen oder weitere auffällige Symptome hinzukommen.
Wann treten die Kopfschmerzen auf?
Der Zeitpunkt kann ein weiteres Puzzleteil sein. Manche Menschen erleben ihre Kopfschmerzen vor allem morgens, andere nachts, nach Belastung, am Wochenende oder in bestimmten Phasen des Tages.
Ein einzelner Zeitpunkt besitzt selten eine eindeutige Bedeutung. Wiederkehrende Muster können jedoch wertvolle Hinweise liefern.
Clusterkopfschmerzen können beispielsweise eine auffällige zeitliche Rhythmik entwickeln und wiederholt zu ähnlichen Tages- oder Nachtzeiten auftreten. Bei Migräne können Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, ausgelassene Mahlzeiten oder andere individuelle Faktoren mit Attacken zusammenfallen.
Andere zeitliche Muster verdienen eine eigene Betrachtung. Neu auftretende Kopfschmerzen, die regelmäßig durch körperliche Anstrengung, Husten, Niesen oder Pressen provoziert werden, sowie Kopfschmerzen, die sich deutlich mit der Körperposition verändern, gehören zu den Konstellationen, bei denen eine medizinische Abklärung erwogen werden sollte.
Begleitsymptome liefern wichtige Hinweise
Ein Kopfschmerz wird wesentlich aussagekräftiger, wenn gleichzeitig beobachtet wird, was während einer Attacke noch passiert.
| Begleiterscheinung | Mögliche Spur | Was bei der Einordnung wichtig ist |
|---|---|---|
| Übelkeit oder Erbrechen | Häufig bei Migräne | Zusammen mit pulsierendem Schmerz, Bewegungsverstärkung sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit besonders typisch |
| Licht- und Geräuschempfindlichkeit | Migräne | Können einzeln auch bei anderen Kopfschmerzformen auftreten |
| Tränendes oder gerötetes Auge auf der Schmerzseite | Clusterkopfschmerz und andere trigemino-autonome Kopfschmerzen | Auch Augenerkrankungen müssen je nach Gesamtbild bedacht werden |
| Laufende oder verstopfte Nase auf derselben Seite | Clusterkopfschmerz oder Erkrankung von Nase/Nebenhöhlen | Das Gesamtbild entscheidet; Nasensymptome bedeuten nicht automatisch Nebenhöhlenkopfschmerz |
| Sehstörungen, Kribbeln oder Sprachstörungen mit langsamer Entwicklung und vollständiger Rückbildung | Können zu einer Migräneaura passen | Erstmalige oder untypische neurologische Symptome sollten medizinisch beurteilt werden |
| Nackenschmerz und eingeschränkte Beweglichkeit | Möglicher zervikogener Zusammenhang | Besonders interessant ist, ob Bewegung den typischen Kopfschmerz reproduziert |
| Fieber und ausgeprägtes Krankheitsgefühl | Infektion oder andere sekundäre Ursache möglich | Bei starkem oder zunehmendem Kopfschmerz medizinisch abklären |
Wenn Nacken, Kiefer, Augen oder Nebenhöhlen beteiligt sein könnten
Nicht jeder Kopfschmerz entsteht ausschließlich aus den klassischen primären Kopfschmerzerkrankungen. Strukturen im Bereich von Hals, Kiefer, Augen, Nase, Nebenhöhlen und Zähnen können ebenfalls Kopf- oder Gesichtsschmerzen verursachen.
Gerade hier wird die Frage nach dem Zusammenhang wichtig: Besteht lediglich gleichzeitig ein Nackenproblem oder verändert sich der Kopfschmerz tatsächlich mit dem Nacken? Besteht lediglich eine verstopfte Nase oder liegt eine diagnostizierte Rhinosinusitis mit passendem zeitlichem Verlauf vor?
Ein gleichzeitig vorhandener Befund beweist noch keine Ursache.
Zervikogene Kopfschmerzen: Wenn der Nacken beteiligt ist
Zervikogene Kopfschmerzen werden in der internationalen Kopfschmerzklassifikation als sekundäre Kopfschmerzen eingeordnet. Der Kopfschmerz wird dabei auf eine Erkrankung oder Störung im Bereich der Halswirbelsäule oder der Halsstrukturen zurückgeführt.
Hinweise auf einen Zusammenhang können eine eingeschränkte HWS-Beweglichkeit, eine deutliche Provokation des typischen Kopfschmerzes durch bestimmte Bewegungen oder eine Schmerzausstrahlung von hinten nach vorne sein.
Diese Merkmale sind allerdings nicht exklusiv. Auch Migräne kann mit Nackenschmerzen einhergehen. Umgekehrt können bei zervikogenen Kopfschmerzen teilweise migräneähnliche Begleiterscheinungen auftreten.
Besonders wichtig ist deshalb die Unterscheidung zwischen gleichzeitigem Nackenschmerz und einem nachvollziehbaren kausalen Zusammenhang zwischen einer zervikalen Störung und dem Kopfschmerz.
Auch bildgebende Befunde allein reichen dafür nicht aus. Veränderungen an der Halswirbelsäule sind verbreitet und können vorhanden sein, ohne Kopfschmerzen zu verursachen.
Kiefer und Zähne
Schmerzen aus Zähnen, Kaumuskulatur oder Kiefergelenk können in Kopf- und Gesichtsregionen ausstrahlen. Besonders Schläfe, Wange, Ohrregion und seitlicher Kopf können dabei betroffen sein.
Hinweise entstehen weniger aus dem Kopfschmerzort selbst als aus dem Zusammenhang mit Kauen, Zähnepressen, Kieferbewegung, lokalen Schmerzen oder zahnmedizinischen Befunden.
Wer morgens regelmäßig Kieferbeschwerden bemerkt oder Schmerzen durch Kauen reproduzieren kann, besitzt damit eine andere Spur als jemand, dessen Schläfenschmerz gemeinsam mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit auftritt.
Augen und Sehbelastung
Auch Augen und Sehfunktion können mit Kopfschmerzen zusammenhängen. Nicht oder unzureichend korrigierte Sehfehler können insbesondere bei längeren visuellen Aufgaben Beschwerden begünstigen.
Augenschmerzen, Kopfschmerzen und Sehstörungen sollten allerdings differenziert betrachtet werden. Ein plötzlich schmerzendes und gerötetes Auge mit Sehverschlechterung, Übelkeit oder Erbrechen ist etwas anderes als leichte Beschwerden nach langer Bildschirmarbeit.
Akute ausgeprägte Augenbeschwerden gehören deshalb nicht in eine Selbstdiagnose anhand von Kopfschmerzmustern.
Nebenhöhlen und Infekte
Der Ausdruck „Sinuskopfschmerz“ wird im Alltag häufig verwendet. Die internationale Kopfschmerzklassifikation betrachtet diesen unscharfen Begriff inzwischen kritisch, weil er sowohl für primäre Kopfschmerzerkrankungen als auch für tatsächlich durch Nase oder Nebenhöhlen verursachte Schmerzen verwendet wurde.
Eine akute Rhinosinusitis kann Kopfschmerz oder Gesichtsschmerz verursachen. Entscheidend ist jedoch, dass tatsächlich eine Erkrankung der Nase beziehungsweise Nebenhöhlen vorliegt und der zeitliche Verlauf zum Schmerz passt.
Ein Druck an Stirn oder Gesicht bedeutet deshalb nicht automatisch, dass „die Nebenhöhlen dicht sind“. Migräne kann ebenfalls im Stirn- oder Gesichtsbereich empfunden werden und sogar mit autonomen Nasen- oder Augensymptomen einhergehen.
Bei einem Infekt wiederum können Kopf- und Gliederschmerzen Teil des allgemeinen Krankheitsbildes sein. Werden Kopfschmerzen jedoch zunehmend stark oder treten zusammen mit hohem Fieber, deutlicher Bewusstseinsveränderung oder anderen auffälligen Symptomen auf, sollte die Situation medizinisch beurteilt werden.
Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch
Eine besondere Situation entsteht, wenn Medikamente zur Akutbehandlung von Kopfschmerzen immer häufiger eingesetzt werden.
Bei Menschen mit einer bereits bestehenden Kopfschmerzerkrankung kann ein regelmäßiger Übergebrauch solcher Medikamente selbst mit einer zunehmenden Kopfschmerzhäufigkeit verbunden sein. Die internationale Klassifikation spricht von einem Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, wenn Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat auftreten und gleichzeitig über mehr als drei Monate ein regelmäßiger Medikamentenübergebrauch vorliegt.
Die Grenze für den Übergebrauch hängt von der Medikamentengruppe ab. Bei Triptanen und bestimmten anderen Akutmedikamenten gelten andere Schwellen als bei einfachen Nicht-Opioid-Schmerzmitteln. Deshalb ist eine pauschale Regel für alle Präparate ungeeignet.
Praktisch wichtiger als das Auswendiglernen dieser Grenzen ist eine einfache Beobachtung:
Wenn die Zahl der Kopfschmerztage und gleichzeitig die Zahl der Tage mit Akutmedikation immer weiter steigt, sollte dieses Muster medizinisch besprochen werden.
Ein Kopfschmerzkalender hilft dabei, diese Entwicklung sichtbar zu machen. Medikamente sollten nicht eigenmächtig abrupt abgesetzt werden, wenn Unsicherheit über die richtige Vorgehensweise besteht oder weitere Erkrankungen und Medikamente eine Rolle spielen.
Warum ein Kopfschmerztagebuch so hilfreich sein kann
Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen ist die Erinnerung erstaunlich unzuverlässig. Nach einigen Wochen verschwimmen Attacken miteinander. War der Schmerz letzten Dienstag wirklich pulsierend? Kam die Übelkeit jedes Mal dazu? Wie viele Tage wurden Schmerzmittel eingenommen?
Ein Kopfschmerztagebuch schafft daraus ein beobachtbares Muster.
Sinnvoll dokumentiert werden können:
- Datum und Uhrzeit
- Dauer der Kopfschmerzen
- Schmerzstärke
- Schmerzort
- Schmerzcharakter
- Begleitsymptome
- mögliche Auslöser oder besondere Umstände
- eingenommene Akutmedikamente
- Wirkung der Medikamente
- bei Bedarf der Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus
Dabei geht es nicht darum, jede körperliche Schwankung permanent zu analysieren. Ein Kalender soll die Beobachtung vereinfachen und nach einigen Wochen eine bessere Einordnung ermöglichen.
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft stellt dafür unter anderem einen Kopfschmerzkalender und eine kostenlose Kopfschmerz-App zur Verfügung.
Ein Kopfschmerztagebuch beantwortet vier wichtige Fragen
Wie oft? Wie viele Kopfschmerztage treten tatsächlich auf?
Welches Muster? Sind Schmerzort, Charakter und Begleitsymptome wiederkehrend?
Welche Medikamente? Wie viele Tage pro Monat werden Akutmedikamente eingesetzt?
Was verändert sich? Wird das Muster häufiger, stärker oder anders als bisher?
Wann Kopfschmerzen medizinisch abgeklärt werden sollten
Die meisten wiederkehrenden Kopfschmerzen gehören zu primären Kopfschmerzerkrankungen. Trotzdem gibt es Situationen, in denen die Suche nach dem passenden Kopfschmerztyp nicht der nächste sinnvolle Schritt ist.
Eine zeitnahe oder dringende medizinische Beurteilung ist insbesondere wichtig bei:
- einem plötzlich einsetzenden sehr starken Kopfschmerz, der innerhalb weniger Minuten seine maximale Intensität erreicht
- neu auftretenden neurologischen Ausfällen wie Lähmung, deutlicher Gefühlsstörung, Sprach- oder Koordinationsproblemen
- Bewusstseinsstörung, ausgeprägter Verwirrtheit oder neu auftretender deutlicher kognitiver Veränderung
- Kopfschmerzen, die sich zusammen mit Fieber deutlich verschlechtern
- einem neuen Kopfschmerz nach einer relevanten Kopfverletzung
- einer deutlichen und ungewohnten Veränderung eines bereits bekannten Kopfschmerzmusters
- neu auftretenden Kopfschmerzen, die durch Husten, Niesen, Pressen oder körperliche Belastung ausgelöst werden
- Kopfschmerzen, die sich ausgeprägt mit der Körperposition verändern
- einem neuen starken Augen- oder Kopfschmerz mit gerötetem Auge und Sehstörung – insbesondere bei gleichzeitigem Übelkeitsgefühl oder Erbrechen
- einem neu aufgetretenen Schläfenkopfschmerz im höheren Lebensalter zusammen mit beispielsweise Kauschmerz, Kopfhautempfindlichkeit oder Sehstörungen
Bei einem plötzlich einsetzenden extrem starken Kopfschmerz oder akuten neurologischen Ausfällen sollte nicht auf einen regulären Arzttermin gewartet werden, sondern eine notfallmedizinische Beurteilung erfolgen.
Auch außerhalb solcher Warnzeichen ist eine ärztliche Einordnung sinnvoll, wenn Kopfschmerzen neu auftreten, immer häufiger werden, den Alltag deutlich beeinträchtigen oder regelmäßig Medikamente notwendig machen.
Eine bekannte Migräne oder ein bekannter Spannungskopfschmerz schützt nicht davor, später zusätzlich einen Kopfschmerz aus einem anderen Grund zu entwickeln. Ein deutlich neues Muster verdient deshalb auch dann Aufmerksamkeit, wenn bereits eine Kopfschmerzdiagnose besteht.
Wenn der Kopfschmerz plötzlich anders ist
Bei Kopfschmerzen ist nicht nur die Schmerzstärke wichtig. Auch eine deutliche Veränderung des bekannten Musters kann ein Grund für eine erneute medizinische Einordnung sein.
Die entscheidende Frage lautet dann nicht: „Welche Kopfschmerzart passt am besten?“, sondern zunächst: „Warum hat sich mein bisheriges Muster verändert?“
Wie möchtest Du jetzt weitermachen?
Nach diesem Artikel musst Du Deinen Kopfschmerz nicht selbst diagnostizieren können. Sinnvoller ist, die Spur zu erkennen, die als Nächstes genauer betrachtet werden sollte.
| Deine Beobachtung | Der nächste sinnvolle Gedanke | Passende Vertiefung |
|---|---|---|
| Mein Kopfschmerz ist häufig einseitig, pulsierend und Bewegung macht ihn schlimmer. | Prüfe, ob weitere typische Migränemerkmale wie Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit zum Muster gehören. | Was passiert bei Migräne? |
| Mein Kopf fühlt sich eher beidseitig gedrückt oder eingeengt an. | Ein Kopfschmerz vom Spannungstyp ist eine mögliche Spur. Häufigkeit, Begleitsymptome und Medikamenteneinnahme helfen bei der weiteren Einordnung. | Kopfschmerzen vom Spannungstyp genauer verstehen |
| Der Schmerz ist extrem stark, streng einseitig und sitzt um ein Auge. | Tränenfluss, Augenrötung, Nasensymptome und körperliche Unruhe können wichtige Hinweise auf einen Clusterkopfschmerz liefern. | Clusterkopfschmerzen medizinisch abklären und gezielt behandeln lassen |
| Mein Schmerz beginnt regelmäßig im Nacken und zieht zum Hinterkopf oder nach vorne. | Prüfe, ob Kopfbewegung, eingeschränkte Beweglichkeit oder eine bekannte Störung im Halsbereich nachvollziehbar mit dem Kopfschmerz zusammenhängen. | Zervikogene Kopfschmerzen und Nacken als mögliche Spur betrachten |
| Ich nehme an vielen Tagen im Monat Schmerzmittel oder Migränemedikamente. | Dokumentiere Kopfschmerz- und Einnahmetage. Medikamentenübergebrauch kann bei häufigen Kopfschmerzen eine eigene Rolle spielen. | Kopfschmerzkalender führen und die Medikation fachlich besprechen |
| Meine Kopfschmerzen sind neu, plötzlich sehr stark oder deutlich anders als sonst. | Versuche nicht, das neue Muster allein anhand einer Kopfschmerzart einzuordnen. | Medizinische beziehungsweise bei akuten Warnzeichen notfallmedizinische Abklärung |
Fazit: Das Kopfschmerzmuster ist wichtiger als ein einzelnes Merkmal
Die Frage „Welche Arten von Kopfschmerzen gibt es?“ klingt zunächst nach einer einfachen Liste. Tatsächlich beginnt eine sinnvolle Einordnung jedoch früher.
Zu den bekanntesten primären Kopfschmerzarten gehören Kopfschmerzen vom Spannungstyp, Migräne und Clusterkopfschmerzen. Daneben gibt es weitere primäre Kopfschmerzerkrankungen und zahlreiche sekundäre Kopfschmerzen, die im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung oder Störung entstehen.
Der Schmerzort liefert dabei eine erste Spur. Stirn, Schläfe, Hinterkopf oder Auge allein verraten die Ursache jedoch nicht.
Erst mehrere Beobachtungen ergeben ein brauchbares Muster:
- Wo tritt der Schmerz auf?
- Wie fühlt er sich an?
- Wie lange dauert er und wie oft kommt er?
- Verstärkt Bewegung den Schmerz?
- Welche Begleitsymptome treten auf?
- Welche Faktoren provozieren oder verändern ihn?
- Wie viele Tage werden Medikamente eingesetzt?
- Ist das Muster seit Langem gleich oder hat es sich verändert?
Damit wird aus „Ich habe Kopfschmerzen“ eine wesentlich bessere Beschreibung: Wo, wie, wann und womit zusammen?
Diese Beschreibung ersetzt keine Diagnose. Sie schafft aber die Grundlage dafür, den nächsten Schritt sinnvoll auszuwählen – sei es ein Kopfschmerztagebuch, die gezielte Beschäftigung mit Migräne oder Spannungskopfschmerz, eine Untersuchung von Nacken, Augen oder Kiefer oder eine medizinische Abklärung eines neuen Kopfschmerzmusters.
Du musst nicht jede Kopfschmerzart kennen. Du solltest erkennen können, welche Beobachtung als Nächstes wichtig wird.
FAQ – Häufige Fragen zu Kopfschmerzarten
Welche Arten von Kopfschmerzen gibt es?
Zu den bekanntesten primären Kopfschmerzarten gehören Kopfschmerzen vom Spannungstyp, Migräne und Clusterkopfschmerzen. Daneben existieren weitere primäre Kopfschmerzerkrankungen sowie sekundäre Kopfschmerzen, die im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung, Verletzung, einem Medikament oder einer Störung anderer Körperstrukturen entstehen.
Was ist die häufigste Kopfschmerzart?
Der Kopfschmerz vom Spannungstyp gehört zu den häufigsten primären Kopfschmerzerkrankungen und ist in der Allgemeinbevölkerung sehr verbreitet. Typisch sind ein beidseitiger, drückender oder beengender Schmerz von leichter bis mittlerer Intensität sowie eine fehlende deutliche Verstärkung durch alltägliche körperliche Aktivität.
Wo sitzen Kopfschmerzen bei Migräne?
Migränekopfschmerzen sind häufig einseitig und können unter anderem im Stirn-, Schläfen- oder Augenbereich wahrgenommen werden. Der Schmerzort allein reicht jedoch nicht für die Diagnose. Typische zusätzliche Merkmale sind ein pulsierender Charakter, eine Verstärkung durch Bewegung sowie Übelkeit oder Licht- und Geräuschempfindlichkeit.
Was bedeuten Kopfschmerzen am Hinterkopf?
Hinterkopfschmerzen besitzen keine eindeutige Ursache. Sie können bei verschiedenen Kopfschmerzformen auftreten. Bei zervikogenen Kopfschmerzen können eine eingeschränkte Halswirbelsäulenbeweglichkeit, die Provokation durch Kopfbewegungen und eine Schmerzausstrahlung vom Nacken nach vorne Hinweise auf einen Zusammenhang mit Halsstrukturen geben.
Was bedeuten einseitige Kopfschmerzen?
Einseitige Kopfschmerzen können beispielsweise bei Migräne, Clusterkopfschmerzen oder zervikogenen Kopfschmerzen auftreten. Einseitigkeit allein erlaubt keine Diagnose. Schmerzcharakter, Dauer, Begleitsymptome und Verlauf helfen bei der weiteren Einordnung.
Welche Kopfschmerzen kommen hinter dem Auge vor?
Schmerzen hinter oder um ein Auge können unter anderem bei Migräne und Clusterkopfschmerzen auftreten. Auch Erkrankungen des Auges selbst können solche Beschwerden verursachen. Ein neuer starker Augen- oder Kopfschmerz mit gerötetem Auge, Sehverschlechterung, Übelkeit oder Erbrechen sollte rasch medizinisch beurteilt werden.
Welche Kopfschmerzen sind bedenklich?
Besonders wichtig sind plötzlich einsetzende extrem starke Kopfschmerzen, neue neurologische Ausfälle, Bewusstseinsstörungen, zunehmende Kopfschmerzen mit Fieber, deutliche Veränderungen eines bekannten Kopfschmerzmusters sowie bestimmte neue belastungs-, husten- oder lageabhängige Kopfschmerzen. Solche Konstellationen sollten medizinisch und bei akuten Warnzeichen notfallmedizinisch abgeklärt werden.
Können Kopfschmerzen vom Nacken kommen?
Ja. Zervikogene Kopfschmerzen können im Zusammenhang mit Erkrankungen oder Störungen von Halswirbelsäule und Halsstrukturen entstehen. Hinweise können eine eingeschränkte Beweglichkeit, eine Provokation des typischen Kopfschmerzes durch Kopfbewegungen und eine Ausstrahlung vom Nacken nach vorne sein. Nackenschmerz allein beweist diesen Zusammenhang jedoch nicht.
Kann zu viel Schmerzmittel Kopfschmerzen verursachen?
Bei Menschen mit einer vorbestehenden Kopfschmerzerkrankung kann ein regelmäßiger Übergebrauch von Akutmedikamenten mit sehr häufigen Kopfschmerzen verbunden sein. Die relevanten Einnahmegrenzen unterscheiden sich je nach Medikamentengruppe. Wer an vielen Tagen pro Monat Schmerz- oder Migränemedikamente benötigt, sollte Einnahmetage dokumentieren und die Situation medizinisch besprechen.
Wie finde ich heraus, welche Kopfschmerzart ich habe?
Dokumentiere Schmerzort, Schmerzcharakter, Dauer, Häufigkeit, Begleitsymptome und Medikamenteneinnahme. Ein Kopfschmerztagebuch kann wiederkehrende Muster sichtbar machen und eine ärztliche Diagnose erleichtern. Ein einzelner Schmerzort oder ein einzelnes Symptom reicht für eine sichere Einordnung nicht aus.
Quellen und weiterführende Hinweise
- International Headache Society: Internationale Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen, ICHD-3
- ICHD-3: Primäre Kopfschmerzerkrankungen
- ICHD-3: Migräne ohne Aura
- ICHD-3: Kopfschmerz vom Spannungstyp
- ICHD-3: Clusterkopfschmerz
- ICHD-3: Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch
- ICHD-3: Klassifikation sekundärer Kopfschmerzen und zervikogener Kopfschmerz
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Rund um den Kopfschmerz
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Kopfschmerzkalender und Patienteninformationen
- NICE Guideline CG150: Headaches in over 12s – diagnosis, assessment and Warnzeichen, zuletzt aktualisiert 2025
- Was passiert bei Migräne? – Symptome, Ursachen und Behandlung





