Referenzwerte für Vitamine und Mineralstoffe: Wie viel muss eigentlich drin sein?

Nahrungsergänzungsmittel und Referenzwerte für Vitamine und Mineralstoffe

Auf vielen Nahrungsergänzungsmitteln stehen Angaben wie 100 % NRV, 200 % Tagesbedarf oder 15 % der Referenzmenge. Solche Zahlen wirken auf den ersten Blick eindeutig. Eine Kapsel am Tag, der Tagesbedarf ist abgedeckt, fertig.

Bei genauerem Hinsehen wird es spannender. Die Prozentangabe bezieht sich immer auf einen bestimmten Referenzwert. In der EU werden dafür sogenannte NRV-Werte verwendet. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung arbeitet mit eigenen Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr. Andere Länder, besondere Lebenssituationen oder ärztliche Empfehlungen können wiederum zu anderen Referenz- und Dosierungswerten führen.

Dieser Artikel soll deshalb nicht bewerten, welcher Wert „der richtige“ ist.Er soll helfen, Verpackungsangaben besser zu lesen: 100 % Tagesbedarf klingt eindeutig. Verständlich wird die Angabe erst, wenn man weiß, worauf sich diese 100 % beziehen.

Referenzwerte für Vitamine und Mineralstoffe: Was bedeutet 100 % Tagesbedarf?

Referenzwerte sind Orientierungswerte für die tägliche Zufuhr von Nährstoffen. Sie helfen dabei, Mengenangaben auf Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln besser einzuordnen. Besonders bei Vitaminen und Mineralstoffen begegnet man ihnen ständig: auf Etiketten, in Nährwerttabellen, in Produktbeschreibungen und in Dosierungsempfehlungen.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Lebensmittelkennzeichnung, ernährungswissenschaftlicher Empfehlung und individueller Situation. Ein Referenzwert ist keine persönliche Diagnose und keine ärztliche Dosierungsanweisung. Er ist ein Bezugswert, mit dem Mengen vergleichbar gemacht werden.

NRV, DGE und Tagesbedarf - drei Begriffe, die man unterscheiden sollte

Der Begriff NRV steht für Nutrition Reference Value. Diese Werte werden in der EU für die Kennzeichnung von Vitaminen und Mineralstoffen verwendet. Wenn auf einem Nahrungsergänzungsmittel zum Beispiel "Vitamin C 80 mg = 100 % NRV" steht, bedeutet das: Die enthaltene Menge entspricht dem EU-Referenzwert für Vitamin C.

Daneben gibt es die Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Diese Werte können je nach Nährstoff, Alter, Geschlecht oder Lebenssituation von den EU-Referenzwerten abweichen. Genau deshalb lohnt sich der Blick in die Tabelle: Die gleiche Nährstoffmenge kann je nach Bezugsgröße unterschiedlich wirken.

Was sind NRV-Werte?

NRV-Werte sind Referenzmengen für Vitamine und Mineralstoffe. Sie werden in der EU verwendet, damit Nährstoffangaben auf Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln einheitlicher und vergleichbarer werden. Die Angabe erfolgt meist zusätzlich zur absoluten Menge.

Ein Beispiel: Wenn ein Produkt 14 mg Eisen enthält und dies mit 100 % NRV angegeben wird, bezieht sich diese Prozentzahl auf den EU-Referenzwert für Eisen. Der Wert sagt also zunächst, wie hoch die enthaltene Menge im Verhältnis zu diesem bestimmten Referenzsystem ist.

Die Prozentangabe beantwortet damit nicht automatisch die persönliche Frage: "Brauche ich genau diese Menge?" Sie zeigt vor allem, wie ein Produkt im Verhältnis zu einem offiziellen Bezugswert dosiert ist.

Tabelle für Vitamine & Mineralstoffe: Referenzwerte und Mindestmengen

Die folgende Tabelle zeigt die EU-Referenzwerte, die daraus abgeleitete Mindestmenge bei Auslobung sowie ergänzende Werte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für Erwachsene. Sie eignet sich als Orientierung, wenn Du Nahrungsergänzungsmittel, Multivitaminpräparate oder einzelne Mineralstoffe miteinander vergleichen möchtest.

Besonders interessant sind die Unterschiede zwischen den Spalten. Sie zeigen, dass Referenzwerte nicht immer identisch sind und je nach System einen anderen Zweck erfüllen können.

Vitamin / MineralstoffNRV pro TagMindestmenge pro Tag bei Auslobung (15 % NRV)Von der DGE empfohlene tägliche Zufuhr für 25-65-Jährige (m/w)
Vitamin A (µg)800120850 / 700
Vitamin D (µg)50,7520**
Vitamin E (mg)121,814 / 12
Vitamin K (µg)7511,2570 / 60*
Vitamin C (mg)8012110 / 95
Thiamin / B1 (mg)1,10,1651,2 / 1,0
Riboflavin / B2 (mg)1,40,211,4 / 1,1
Niacin / B3 (mg)162,415 / 12
Vitamin B6 (mg)1,40,211,6 / 1,4
Folsäure / B9 (µg)20030300
Vitamin B12 (µg)2,50,384,0
Biotin / B7 (µg)507,540*
Pantothensäure / B5 (mg)60,95*
Calcium (Kalzium) (mg)8001201000
Chlorid (mg)8001202300*
Chrom (µg)40630-100*
Eisen (mg)142,110 / 15
Fluorid (mg)3,50,533,8 / 3,1
Jod (µg)15022,5200
Kalium (mg)20003004000*
Kupfer (mg)10,151,0-1,5*
Magnesium (mg)37556,3350 / 300*
Mangan (mg)20,302,0-5,0*
Molybdän (µg)507,550-100*
Phosphor (mg)700105700
Selen (µg)558,2570 / 60*
Zink (mg)101,511-6 / 7-10***

* Schätzwert
** bei fehlender Eigenproduktion
*** abhängig von der Phytatzufuhr

Warum unterscheiden sich EU- und DGE-Werte?

EU-Referenzwerte und DGE-Referenzwerte haben nicht exakt dieselbe Aufgabe. Die NRV-Werte dienen vor allem der einheitlichen Kennzeichnung. Sie sorgen dafür, dass auf Verpackungen vergleichbare Prozentangaben gemacht werden können.

Die DGE-Referenzwerte sind dagegen ernährungswissenschaftliche Orientierungswerte für die Nährstoffzufuhr. Sie berücksichtigen je nach Nährstoff weitere Faktoren, zum Beispiel Alter, Geschlecht oder besondere Bedingungen. Deshalb können die Werte voneinander abweichen.

Ein auffälliges Beispiel ist Vitamin D. Der EU-Referenzwert liegt bei 5 µg pro Tag. Der DGE-Referenzwert beträgt bei fehlender Eigenproduktion 20 µg pro Tag. Eine Prozentangabe auf der Verpackung wirkt dadurch je nach Bezugsgröße ganz anders.

Was sagen 100 % Tagesbedarf wirklich aus?

Wenn auf einem Produkt 100 % NRV steht, bedeutet das: Die Tagesportion enthält 100 % des EU-Referenzwertes für diesen Nährstoff. Es bedeutet nicht automatisch, dass damit jede individuelle Versorgungssituation vollständig bewertet wäre.

Der Unterschied ist wichtig. Eine Verpackungsangabe macht ein Produkt vergleichbar. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Einordnung von Ernährung, Lebensstil, Laborwerten, Medikamenten, Alter oder besonderer Lebensphase.

Merksatz

100 % Tagesbedarf klingt eindeutig. Die Aussage wird erst verständlich, wenn man weiß, auf welchen Referenzwert sich diese 100 % beziehen.

Warum kann eine ärztliche Dosierung anders aussehen?

Referenzwerte richten sich an die allgemeine Bevölkerung. In der medizinischen Praxis kann eine Dosierung anders bewertet werden, etwa wenn ein Laborwert kontrolliert wurde oder ein konkreter Mangel besteht. Dann geht es nicht mehr um die allgemeine Lebensmittelkennzeichnung, sondern um eine individuelle fachliche Entscheidung.

Gerade bei Nährstoffen wie Eisen, Vitamin D, Jod, Selen oder fettlöslichen Vitaminen sollte eine gezielte höhere Dosierung nicht nebenbei aus dem Bauch heraus erfolgen. Sinnvoll ist eine fachliche Einordnung, besonders bei bestehenden Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft, Stillzeit oder auffälligen Laborwerten.

Nahrungsergänzungsmittel vergleichen: Worauf sollte man achten?

Referenzwerte und Nährstoffangaben auf Nahrungsergänzungsmitteln vergleichen

Beim Vergleich von Nahrungsergänzungsmitteln reicht der Blick auf den Preis allein nicht aus. Entscheidend ist, welche Menge eines Vitamins oder Mineralstoffs pro Tagesportion enthalten ist. Eine große Packung kann günstig wirken, enthält aber möglicherweise nur geringe Mengen pro empfohlener Tagesdosis.

Umgekehrt ist eine hohe Prozentzahl nicht automatisch besser. Interessant ist die Kombination aus Nährstoffform, Dosierung, Tagesportion, Packungsgröße, Herstellerangaben und persönlicher Ausgangssituation. Bei Mineralstoffen kommt zusätzlich die Verbindung ins Spiel, zum Beispiel Magnesiumcitrat, Magnesiumbisglycinat, Eisenbisglycinat oder Calciumcarbonat.

Diese Angaben helfen beim Vergleich

  • Menge pro Tagesportion: Wie viel Vitamin oder Mineralstoff ist tatsächlich enthalten?
  • Prozentangabe zum NRV: Auf welchen EU-Referenzwert bezieht sich die Dosierung?
  • Anzahl der Kapseln oder Tabletten: Bezieht sich die Angabe auf eine Kapsel oder auf mehrere Einheiten pro Tag?
  • Nährstoffform: Welche Verbindung wurde verwendet?
  • Kombinationen: Enthält das Produkt einzelne Nährstoffe oder einen Komplex?
  • Herstellerangaben: Welche Einnahmeempfehlung wird genannt?

Was bedeutet die Mindestmenge von 15 % NRV?

Wenn ein Produkt mit einem bestimmten Vitamin oder Mineralstoff wirbt, muss in der Regel eine relevante Menge enthalten sein. Bei Vitaminen und Mineralstoffen wird dafür häufig die Schwelle von 15 % des NRV pro Tagesportion herangezogen.

Praktisch heißt das: Ein Produkt darf einen Nährstoff nicht beliebig prominent ausloben, wenn davon nur Spuren enthalten sind. Die Mindestmenge hilft also ebenfalls bei der Einordnung von Werbeaussagen. Sie sagt aber noch nicht, ob die Dosierung für eine bestimmte Person passend ist.

Gibt es Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe?

Während Mindestmengen für bestimmte Auslobungen eine Rolle spielen, ist das Thema Höchstmengen deutlich komplexer. Für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es bislang keine vollständig einheitlichen, EU-weit verbindlichen Höchstmengen für alle Stoffe. Gleichzeitig existieren Empfehlungen, Bewertungen und nationale Regelungen, die sich je nach Land unterscheiden können.

In Deutschland werden zur Orientierung unter anderem Empfehlungen und Bewertungen des Bundesinstituts für Risikobewertung herangezogen. Diese ersetzen keine persönliche Beratung, zeigen aber, dass hohe Dosierungen nicht automatisch unproblematisch sind.

Besonders bei fettlöslichen Vitaminen, Eisen, Jod, Selen oder anderen Spurenelementen sollte man Herstellerangaben beachten und bei Unsicherheiten fachlich nachfragen. Mehr ist bei Mikronährstoffen nicht automatisch besser.

Warum gibt es für OPC, Resveratrol oder Pflanzenstoffe keine NRV-Werte?

Referenzwerte und Prozentangaben zum Tagesbedarf gibt es vor allem für Vitamine und Mineralstoffe. Für viele sekundäre Pflanzenstoffe, Pflanzenextrakte, Aminosäuren oder andere ergänzende Inhaltsstoffe existieren dagegen keine vergleichbaren NRV-Werte.

Deshalb findet man bei solchen Stoffen auf Verpackungen meist die absolute Menge pro Tagesportion, aber keine Angabe wie "100 % Tagesbedarf". Das betrifft zum Beispiel:

  • OPC
  • Resveratrol
  • Quercetin
  • Lutein
  • Lycopin
  • Zeaxanthin
  • Ginkgo-Extrakt
  • Aminosäuren
  • viele Pflanzenpulver und Pflanzenextrakte

Warum steht bei Pflanzenstoffen oft keine Prozentangabe?

Für Vitamine und Mineralstoffe existieren offizielle Referenzwerte. Für viele Pflanzenstoffe und Extrakte wurden dagegen keine allgemeinen Tagesbedarfswerte festgelegt. Deshalb lassen sich solche Produkte meist nur über die absolute Menge, die Extraktqualität, die Standardisierung und die Zusammensetzung vergleichen.

Fazit: Referenzwerte helfen - wenn man sie richtig liest

Referenzwerte machen Nahrungsergänzungsmittel vergleichbarer. Sie zeigen, welche Mengen eines Vitamins oder Mineralstoffs pro Tagesportion enthalten sind und wie diese Menge im Verhältnis zu einem offiziellen Bezugswert steht.

Gleichzeitig lohnt sich der Blick hinter die Prozentzahl. EU-NRV, DGE-Referenzwerte und individuelle fachliche Empfehlungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Eine Angabe wie 100 % Tagesbedarf ist daher kein endgültiges Urteil, sondern ein Hinweis auf den zugrunde liegenden Referenzwert.

Wer Nahrungsergänzungsmittel vergleicht, sollte deshalb nicht nur auf große Prozentzahlen achten, sondern auf die konkrete Menge, die Nährstoffform, die Tagesportion und den Zweck des Produkts. Genau dort beginnt die eigentliche Einordnung.

FAQ - Häufige Fragen zu Referenzwerten für Vitamine und Mineralstoffe

Was bedeutet NRV bei Nahrungsergänzungsmitteln?

NRV steht für Nutrition Reference Value. Gemeint sind EU-Referenzwerte für Vitamine und Mineralstoffe. Sie werden verwendet, um Nährstoffmengen auf Verpackungen als Prozentwert angeben zu können.

Bedeutet 100 % NRV, dass mein Tagesbedarf gedeckt ist?

100 % NRV bedeutet, dass die Tagesportion eines Produkts 100 % des EU-Referenzwertes enthält. Die Angabe hilft beim Vergleich, ersetzt aber keine individuelle Bewertung von Ernährung, Lebenssituation oder Laborwerten.

Warum unterscheiden sich EU-Referenzwerte und DGE-Werte?

EU-Referenzwerte dienen vor allem der einheitlichen Kennzeichnung auf Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. DGE-Referenzwerte sind ernährungswissenschaftliche Orientierungswerte für die Nährstoffzufuhr. Deshalb können die Werte je nach Nährstoff voneinander abweichen.

Warum steht bei Vitamin D oft mehr als 100 % NRV?

Der EU-Referenzwert für Vitamin D liegt niedriger als der DGE-Referenzwert bei fehlender Eigenproduktion. Deshalb können Vitamin-D-Produkte auf der Verpackung schnell deutlich über 100 % NRV liegen, obwohl die absolute Menge im Vergleich zu anderen Referenzsystemen anders eingeordnet wird.

Gibt es Referenzwerte auch für OPC, Quercetin oder Pflanzenextrakte?

Für viele sekundäre Pflanzenstoffe, Pflanzenextrakte und Aminosäuren gibt es keine NRV-Werte. Auf Verpackungen wird deshalb meist die absolute Menge pro Tagesportion angegeben, aber keine Prozentangabe zum Tagesbedarf.

Worauf sollte ich beim Vergleich von Nahrungsergänzungsmitteln achten?

Wichtig sind die Menge pro Tagesportion, die Prozentangabe zum NRV, die Nährstoffform, die Anzahl der Kapseln oder Tabletten pro Tag, mögliche Kombinationen und die Herstellerangaben. Eine hohe Prozentzahl allein sagt noch nicht, ob ein Produkt zur persönlichen Situation passt.

Abgelegt unter: dge , mindestmengen , Mineralstoffe , nrv , referenzwerte , Vitamine

Über Jann Glasmachers

Jann Glasmachers

Mein Name ist Jann Glasmachers, ich bin Inhaber des Gesundheitsfundaments und habe eine abgeschlossene Ausbildung zum Heilpraktiker und holistischen Gesundheits-, Vitalkost- und Lebensberater. Ich blogge mit Leidenschaft, liebe Mikronährstoffe und interessiere mich sehr für die Gesetzmässigkeiten des Lebens und die Geheimnisse der Gesundheit. Nach langjähriger Krankheit habe ich mich auf den Weg gemacht das Puzzle der Gesundheit für mich zusammenzusetzen. Hierbei tun sich jeden Tag neue Erkenntnisse auf. Die Grundformel scheint jedoch universell gültig zu sein. Was sich dahinter verbirgt, lässt sich in dem Gesundheitsfundament nachlesen.

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