Unterschied zwischen Humin- und Fulvinsäuren – Was Du wissen solltest

Huminsäuren und Fulvinsäuren – Unterschied und Wirkung

Humin- und Fulvinsäuren sind natürliche Bestandteile beziehungsweise Fraktionen komplexer organischer Stoffgemische, die in Böden, Sedimenten, Torf und anderen natürlichen Ablagerungen vorkommen. Sie spielen vor allem in der Bodenchemie eine interessante Rolle, weil sie mit Mineralien und zahlreichen anderen Substanzen wechselwirken können.

Genau diese chemischen Eigenschaften haben dazu geführt, dass Huminsäuren und Fulvinsäuren inzwischen auch in Nahrungsergänzungsmitteln diskutiert werden. Dabei werden ihnen teilweise sehr weitreichende Wirkungen zugeschrieben: bessere Nährstoffaufnahme, Bindung von Schadstoffen, Unterstützung der Darmbarriere, antioxidative Effekte oder eine Regulation des Mikrobioms.

Einige dieser Ideen haben eine experimentelle Grundlage. Der Schritt von einer chemischen Eigenschaft oder einer Zell- beziehungsweise Tierstudie zu einer belegten Wirkung beim Menschen ist aber groß. Deshalb lohnt es sich, Humin- und Fulvinsäuren genauer auseinanderzuhalten – und gleichzeitig zu fragen, was wir über ihre Wirkung wirklich wissen.

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Was sind Humin- und Fulvinsäuren?

Definition von Humin- und Fulvinsäuren

Huminsäuren und Fulvinsäuren gehören zu den sogenannten Huminstoffen. Dabei ist eine wichtige Präzisierung nötig: Es handelt sich nicht um jeweils ein einzelnes, exakt definiertes Molekül. Die Begriffe beschreiben traditionell Fraktionen komplexer natürlicher organischer Stoffgemische, die anhand ihrer Löslichkeit voneinander getrennt werden.

In der klassischen Einteilung unterscheidet man:

  • Fulvinsäuren: die Fraktion, die sowohl unter sauren als auch unter alkalischen Bedingungen in Lösung bleibt.
  • Huminsäuren: die Fraktion, die sich in alkalischer Lösung extrahieren lässt, bei starker Ansäuerung jedoch ausfällt.
  • Humine: die Fraktion, die sich mit dieser klassischen Methode weder in saurer noch in alkalischer Lösung ausreichend lösen beziehungsweise extrahieren lässt.

Diese Einteilung ist vor allem analytisch praktisch. Moderne Forschung betrachtet Huminstoffe weniger als klar abgegrenzte Einzelmoleküle und stärker als komplexe, je nach Quelle unterschiedlich zusammengesetzte Gemische natürlicher organischer Substanzen.

Herkunft und Entstehung

Huminstoffe entstehen beim mikrobiellen und chemischen Umbau organischer Materie. Pflanzenreste, mikrobielle Biomasse und andere organische Bestandteile werden dabei verändert, teilweise abgebaut und in neue organische Strukturen überführt.

Die Zusammensetzung hängt stark davon ab, woher das Ausgangsmaterial stammt und unter welchen Umweltbedingungen es entstanden ist. Huminstoffe aus einem Moorboden können sich deshalb deutlich von solchen aus einem Flusssediment, Kompost oder Leonardit unterscheiden.

Typische natürliche Vorkommen:

  • Humusböden
  • Torf und Moorböden
  • Gewässer und Sedimente
  • Kompost und andere umgebaute organische Materialien
  • kohlenstoffreiche geologische Ablagerungen wie Leonardit

Wissenswert: Wenn auf zwei Produkten jeweils „Fulvinsäure“ steht, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass ihre chemische Zusammensetzung identisch ist. Quelle, Gewinnung, Aufbereitung und analytische Definition können das resultierende Stoffgemisch deutlich beeinflussen.

Chemische Eigenschaften im Vergleich

Der klassische Unterschied zwischen Huminsäuren, Fulvinsäuren und Huminen wird vor allem über ihre Löslichkeit definiert. Aussagen wie „Huminsäuren sind immer große Moleküle und Fulvinsäuren immer kleine Moleküle“ sind als Faustregel zu grob, weil beide Fraktionen chemisch sehr heterogen sein können.

EigenschaftHuminsäurenFulvinsäurenHumine
Definitionalkalisch extrahierbar, fällt bei starker Ansäuerung ausbleibt auch im sauren Bereich löslichmit klassischer Säure-/Laugenfraktionierung weitgehend unlöslich
Farbemeist dunkelbraun bis schwarzhäufig gelblich bis braunmeist dunkel
Mobilität in Wasservergleichsweise geringer und pH-abhängigvergleichsweise höhergering
Funktionelle Gruppenunter anderem Carboxyl- und phenolische Gruppenebenfalls reich an reaktiven funktionellen Gruppenstark an mineralische und organische Bodenmatrix gebunden
Komplexierungkann Metallionen und andere Verbindungen bindenkann ebenfalls Ionen und Moleküle komplexierenträgt zur Bindung organischer und mineralischer Bestandteile im Boden bei

Gerade diese Wechselwirkungen mit Mineralstoffen und Metallionen sind in Boden-, Wasser- und Umweltchemie gut bekannt. Für die Frage nach einer Wirkung von Huminsäure und Fulvinsäure im menschlichen Körper reicht diese chemische Eigenschaft allein aber noch nicht aus.

Die Wirkung von Humin- und Fulvinsäuren auf den Körper

Hier müssen wir zwischen drei Ebenen unterscheiden: chemischen Eigenschaften, präklinischer Forschung und tatsächlich untersuchten Effekten beim Menschen.

Für Huminstoffe gibt es interessante Labor-, Tier- und einzelne Humanstudien. Die Human-Datenlage ist jedoch deutlich kleiner, als viele Produktbeschreibungen vermuten lassen. Vor allem breit formulierte Aussagen zu „Entgiftung“, verbesserter Nährstoffaufnahme, antioxidativer Wirkung oder einer Stabilisierung der Darmbarriere sind für oral eingenommene Humin- und Fulvinsäuren beim Menschen derzeit nicht ausreichend klinisch belegt.

Unterstützung der Nährstoffaufnahme?

Fulvinsäuren können aufgrund ihrer funktionellen Gruppen mit Mineralionen wechselwirken und Komplexe bilden. In Pflanzen, Böden und technischen Systemen kann diese Eigenschaft die Löslichkeit und Mobilität von Mineralstoffen beeinflussen.

Davon wird häufig die Behauptung abgeleitet, Fulvinsäuren würden beim Menschen Magnesium, Zink, Eisen, Calcium oder andere Nährstoffe „direkt in die Zellen transportieren“ und deren Bioverfügbarkeit grundsätzlich erhöhen. Für eine solche allgemeine Aussage fehlen belastbare Humanstudien.

Komplexbildung kann je nach Stoff, Konzentration und Umgebung unterschiedliche Folgen haben. Ein gebundener Mineralstoff kann besser löslich werden, seine Aufnahme kann unverändert bleiben – oder die Bindung kann seine Verfügbarkeit sogar reduzieren. Welche Richtung überwiegt, muss für die konkrete Verbindung untersucht werden.

Auch eine ältere Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu bestimmten Eisen-, Chrom- und Selen-Huminsäure/Fulvinsäure-Chelaten zeigt, warum hier Produktdaten wichtig sind: Die damals eingereichten Daten reichten nicht aus, um Sicherheit und Bioverfügbarkeit der beantragten Verbindungen abschließend zu belegen.

Können Humin- und Fulvinsäuren Schadstoffe binden?

Dass Huminstoffe Metallionen und verschiedene organische Moleküle binden können, ist chemisch gut nachvollziehbar und in der Umweltforschung ausführlich untersucht. Genau daraus entstanden Begriffe wie „Detox“, „Schadstoffbindung“ oder „Ausleitung“.

Für die Einnahme beim Menschen ist die Schlussfolgerung jedoch deutlich komplizierter. Die Fähigkeit, einen Stoff im Reagenzglas, Boden oder Wasser zu binden, beweist nicht, dass ein Nahrungsergänzungsmittel Schadstoffe im menschlichen Körper gezielt bindet und anschließend gesundheitlich relevant ausscheidet.

Hinzu kommt: Huminstoffe unterscheiden chemisch nicht automatisch zwischen „unerwünschtem Schwermetall“ und „erwünschtem Mineralstoff“. Deshalb sollte aus ihrer Komplexierungsfähigkeit weder ein allgemeines Detox-Versprechen noch eine pauschale Verbesserung der Mineralstoffversorgung abgeleitet werden.

Was wissen wir über Mikrobiom und Darmbarriere?

Hier gibt es einen interessanten, aber noch kleinen Human-Datenpunkt. Eine Untersuchung von Swidsinski und Kollegen begleitete 14 gesunde Erwachsene während einer 45-tägigen Einnahme eines Huminsäure-Präparats. Die Forschenden beobachteten Veränderungen beziehungsweise eine Zunahme der Konzentration bereits vorhandener Bakteriengruppen im Stuhl, während das individuelle Grundmuster und die bakterielle Vielfalt weitgehend stabil blieben.

Die Studie ist spannend, aber sie war klein, untersuchte gesunde Probanden und hatte keine Placebogruppe. Sie zeigt deshalb keine klinisch belegte „Regulation des Mikrobioms“ und keine Behandlung einer Darmerkrankung. Sie zeigt lediglich, dass oral eingenommene Huminsäuren unter den untersuchten Bedingungen messbare Veränderungen im mikrobiellen Ökosystem begleiten können.

Wenn Du verstehen möchtest, warum schon die Formulierung „das Mikrobiom verbessern“ schwierig ist, findest Du die Grundlagen in unserem Ratgeber Das Mikrobiom verstehen.

Auch für mögliche Effekte auf die Darmbarriere existieren interessante präklinische Daten. Zell- und Tiermodelle lassen sich jedoch nicht direkt in die Aussage übersetzen, Huminsäuren würden beim Menschen die Darmbarriere „stabilisieren“. Wie selektiv und dynamisch diese Barriere arbeitet, erklären wir separat im Artikel Die Darmbarriere.

Unterschiede zwischen Humin- und Fulvinsäuren

Der Unterschied zwischen Huminsäure und Fulvinsäure ist also zunächst ein chemisch-analytischer und kein medizinischer. Beide gehören zu Huminstoffen, können sich aber hinsichtlich Löslichkeit, Zusammensetzung, Mobilität und Reaktivität unterscheiden.

Struktur und Zusammensetzung

Huminsäuren und Fulvinsäuren sind keine einheitlichen Reinsubstanzen mit einer einzigen Strukturformel. Sie bestehen aus sehr unterschiedlichen organischen Molekülverbänden und funktionellen Gruppen. Ihre genaue Zusammensetzung hängt unter anderem von der Ausgangsquelle und der Extraktionsmethode ab.

Fulvinsäure-Fraktionen weisen häufig einen höheren Anteil sauerstoffhaltiger funktioneller Gruppen auf und sind in Wasser mobiler. Huminsäure-Fraktionen sind unter sauren Bedingungen weniger löslich. Die früher verbreitete Vorstellung, man könne beide Stoffgruppen allein anhand einer festen Molekülgröße eindeutig unterscheiden, greift jedoch zu kurz.

Löslichkeit und Mobilität

Die Löslichkeit ist weiterhin die praktisch wichtigste Unterscheidung:

  • Huminsäuren lassen sich unter alkalischen Bedingungen lösen beziehungsweise extrahieren und fallen bei starker Ansäuerung weitgehend aus.
  • Fulvinsäuren bleiben über einen deutlich größeren pH-Bereich in Lösung und sind deshalb in Böden und Gewässern mobiler.
  • Humine verbleiben bei der klassischen Fraktionierung überwiegend in der unlöslichen Restfraktion.

Diese höhere Mobilität erklärt mit, warum Fulvinsäuren in Pflanzen- und Bodenforschung besonders häufig betrachtet werden. Sie bedeutet aber nicht automatisch, dass Fulvinsäure beim Menschen besser „in die Zellen gelangt“ oder dort Nährstoffe abliefert.

Unterschiede in der Wirkung auf den Körper

Eine einfache Tabelle „Huminsäuren wirken im Darm, Fulvinsäuren wirken in den Zellen“ wäre verführerisch – aber wissenschaftlich zu eindeutig.

Für beide Stoffgruppen gilt: Die biologische Wirkung hängt von der konkreten Zusammensetzung, Dosis, Aufbereitung und dem jeweiligen Untersuchungsmodell ab. Huminsäure-Präparate wurden unter anderem im Zusammenhang mit dem Darm untersucht; zu Fulvinsäuren gibt es zahlreiche präklinische Arbeiten zu antioxidativen, immunologischen und entzündungsbezogenen Mechanismen.

Diese Forschung liefert Hypothesen und Ansatzpunkte. Sie rechtfertigt derzeit keine allgemeine Aussage, dass Humin- oder Fulvinsäuren beim Menschen antioxidativ wirken, Entzündungen senken, die Darmbarriere reparieren oder den Nährstofftransport in Zellen verbessern.

Wichtig bei Studien zu Shilajit/Mumijo: Shilajit ist ein komplexes Naturstoffgemisch, das unter anderem Huminstoffe und Fulvinsäure-Fraktionen enthalten kann. Ergebnisse einer Studie mit einem bestimmten Shilajit-Extrakt sind deshalb nicht automatisch ein Wirkungsnachweis für isolierte Fulvinsäure oder für ein beliebiges Humin-/Fulvinsäure-Produkt.

Wo kommen Humin- und Fulvinsäuren vor?

Huminstoffe entstehen überall dort, wo organisches Material mikrobiell und chemisch umgebaut wird. Ihre Konzentration und Zusammensetzung unterscheiden sich dabei erheblich.

Natürliche Quellen von Humin- und Fulvinsäuren

  • Humusböden: Huminstoffe sind ein wichtiger Teil der organischen Bodenmatrix und beeinflussen unter anderem Nährstoffbindung und Bodenstruktur.
  • Torf und Moorböden: enthalten große Mengen teilweise umgebauter organischer Substanz.
  • Leonardit: eine stark oxidierte, kohlenstoffreiche geologische Ablagerung, die häufig als Rohstoff für technische Huminstoff-Produkte verwendet wird.
  • Gewässer und Sedimente: enthalten gelöste und partikuläre natürliche organische Materie einschließlich fulvin- und huminstoffähnlicher Fraktionen.

Die Begriffe „natürlich“ oder „aus Humus gewonnen“ sagen dabei noch nichts über Reinheit, standardisierte Zusammensetzung oder Eignung zur Einnahme aus.

Gewinnung aus Humus und anderen Materialien

Huminsäuren und Fulvinsäuren können mit unterschiedlichen Extraktions- und Aufbereitungsverfahren aus huminstoffreichen Rohmaterialien gewonnen werden. In der klassischen Laborfraktionierung werden alkalische Lösungen eingesetzt, anschließend trennt man die Fraktionen über ihren pH-abhängigen Löslichkeitsunterschied.

Industrielle Verfahren können davon abweichen und weitere Reinigungsschritte enthalten. Für Nahrungsergänzungsmittel ist deshalb nicht nur der angegebene Prozentwert an „Fulvinsäure“ oder „Huminsäure“ interessant, sondern auch:

  • welcher Rohstoff verwendet wurde,
  • wie extrahiert und gereinigt wurde,
  • wie der Huminstoffgehalt analytisch bestimmt wurde,
  • ob das Endprodukt auf unerwünschte Kontaminanten untersucht wurde.

Gerade bei natürlichen komplexen Ausgangsmaterialien sollte die Qualität immer am konkreten Produkt und nicht allein am Namen des Inhaltsstoffs beurteilt werden.

Wie werden Humin- und Fulvinsäuren verwendet?

Huminstoffe spielen in ganz unterschiedlichen Bereichen eine Rolle. Dabei darf man Ergebnisse aus Landwirtschaft, Umweltchemie, Kosmetik und Humanernährung nicht miteinander vermischen.

Einsatz in Nahrungsergänzungsmitteln

Humin- und Fulvinsäuren werden in verschiedenen Ländern als Bestandteile von Nahrungsergänzungsmitteln beziehungsweise huminstoffreichen Naturstoffpräparaten angeboten. Häufig stehen dabei Mineralstoffkomplexierung, Darm, Mikrobiom oder antioxidative Eigenschaften im Mittelpunkt der Produktkommunikation.

Für Verbraucher ist wichtig zu unterscheiden: Eine plausible chemische Eigenschaft ist noch keine zugelassene gesundheitsbezogene Wirkung. Für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel dürfen gesundheitsbezogene Aussagen in der EU nicht beliebig aus Laborstudien abgeleitet werden. Entscheidend sind die geltenden Vorgaben der Health-Claims-Verordnung.

Entsprechend würde ich Humin- oder Fulvinsäuren nicht als Mittel zur „Entgiftung“, zur Behandlung eines Leaky Gut, zur Verbesserung der Mineralstoffaufnahme oder zur Regulation des Immunsystems darstellen, solange dafür keine entsprechend belastbare und rechtlich zulässige Grundlage vorliegt.

Fulvinsäure bei Pflanzen und im Bodenmanagement

Die Verwendung von Huminstoffen in Landwirtschaft und Pflanzenbau ist ein eigenes Forschungsfeld. Dort können Humin- und Fulvinsäuren die chemischen und physikalischen Eigenschaften des Bodens beeinflussen und mit Mineralstoffen interagieren. Je nach Rohstoff, Dosis, Pflanze und Bodenbedingungen werden Effekte auf Nährstoffverfügbarkeit, Wurzelentwicklung oder Pflanzenwachstum untersucht.

Gerade bei Suchanfragen wie „Fulvinsäure Pflanzen“ ist die Trennung wichtig: Ein Effekt auf Nährstoffe in der Rhizosphäre oder auf eine Pflanzenwurzel lässt sich nicht direkt auf die menschliche Nährstoffaufnahme übertragen.

Der Boden ist ein chemisch und biologisch völlig anderes System als der menschliche Dünndarm. Dass Fulvinsäuren dort Mineralien mobilisieren können, beweist deshalb keinen vergleichbaren „Transporteffekt“ in menschliche Zellen.

Kosmetische Anwendungen von Humin- und Fulvinsäuren

Huminstoffhaltige Rohstoffe und Fulvinsäure-Fraktionen werden auch für kosmetische Anwendungen untersucht. Ein Teil der Forschung beschäftigt sich beispielsweise mit antioxidativen Eigenschaften in vitro oder mit huminstoffreichen Peloiden, also natürlichen Heil- und Schlammmaterialien.

Auch hier gilt: Ergebnisse an Zellen oder mit einem bestimmten Rohstoff erlauben keine pauschale Aussage über jede Creme oder jedes Fulvinsäure-Produkt. Bei empfindlicher Haut entscheidet die gesamte Rezeptur über die Verträglichkeit.

Risiken und Nebenwirkungen – Was Du beachten solltest

Die vielleicht wichtigste Korrektur gegenüber einfachen Produktdarstellungen lautet: Es gibt nicht „die“ Fulvinsäure oder „die“ Huminsäure mit einer für alle Produkte identischen Sicherheitsbewertung. Natürliche Huminstoffgemische können sich je nach Quelle und Verarbeitung deutlich unterscheiden.

Mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten

Huminstoffe können chemisch mit Ionen und anderen Molekülen wechselwirken. Daraus ergibt sich zumindest ein plausibles Potenzial dafür, dass bei gleichzeitiger Einnahme auch die Verfügbarkeit anderer Stoffe beeinflusst werden könnte. Gute klinische Interaktionsstudien mit gängigen Arzneimitteln fehlen jedoch.

Deshalb würde ich keine konkrete Liste behaupteter Wechselwirkungen aufstellen und auch keinen pauschalen Einnahmeabstand erfinden. Wenn Du regelmäßig Arzneimittel einnimmst – insbesondere Medikamente mit enger therapeutischer Breite oder einer empfindlichen Resorption – solltest Du ein Humin-/Fulvinsäure-Präparat vorher mit Arzt oder Apotheke abklären.

Mehr zur grundsätzlichen Frage findest Du in unserem Ratgeber Medikamente und Lebensmittel: Welche Wechselwirkungen sind wichtig?

Dosierung, Qualität und Nebenwirkungen

Für sehr unterschiedliche Huminstoff- und Fulvinsäure-Produkte gibt es keine universell belegte optimale Tagesdosis. Auch Ergebnisse aus toxikologischen Untersuchungen eines standardisierten Präparats lassen sich nicht automatisch auf andere Extrakte übertragen.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln aus natürlichen huminstoffreichen Rohstoffen würde ich deshalb besonders auf Produktqualität achten. Sinnvoll sind nachvollziehbare Angaben zu Rohstoff, Extraktionsverfahren und analytischer Prüfung des Endprodukts. Je nach Ausgangsmaterial können beispielsweise unerwünschte Mineral- oder Metallverunreinigungen relevant sein.

Bei Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern, bei relevanten Vorerkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme ist die Datenlage für eine pauschale Einnahmeempfehlung zu dünn. Hier sollte die individuelle Anwendung vorher fachlich eingeordnet werden.

Novel Food: Der rechtliche Status ist produktabhängig

Bei Fulvinsäure ist inzwischen noch ein weiterer Punkt wichtig: Der rechtliche Status eines konkreten Rohstoffs lässt sich nicht allein aus dem Namen „Fulvinsäure“ ableiten.

Die Europäische Kommission führt im Verfahren zur Bestimmung des Novel-Food-Status seit dem 31. Oktober 2024 einen konkret bewerteten Rohstoff unter der Bezeichnung „Non-isolated fulvic acid“ als Novel Food. Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes Produkt, das Fulvinsäure enthält, denselben Status besitzt. Quelle, Herstellungsverfahren, Zusammensetzung und dokumentierte Verwendungsgeschichte sind entscheidend.

Ein gutes Beispiel für diese notwendige Differenzierung ist Mumijo beziehungsweise Shilajit: Dieses wird im EU-Katalog separat geführt und besitzt für die Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln eine andere historische Einordnung.

Der Novel-Food-Katalog der EU ist selbst als Orientierungshilfe und nicht als abschließende Einzelfallzulassung beschrieben. Für Hersteller und Händler bedeutet das trotzdem: Vor dem Inverkehrbringen eines konkreten Humin-/Fulvinsäure-Rohstoffs muss dessen regulatorischer Status sauber geprüft werden.

Fazit – Welche Wirkung haben Humin- und Fulvinsäuren?

Humin- und Fulvinsäuren sind chemisch ausgesprochen interessante Bestandteile natürlicher organischer Materie. Ihre Fähigkeit, mit Mineralien, Metallionen und anderen Molekülen zu interagieren, erklärt ihre Bedeutung in Bodenchemie, Pflanzenforschung und Umweltwissenschaften.

Auch für den menschlichen Körper gibt es spannende Forschungsansätze. Eine kleine Humanstudie mit Huminsäuren zeigte beispielsweise messbare Veränderungen im Darmmikrobiom. Präklinisch werden darüber hinaus Wechselwirkungen mit Entzündungs-, Oxidations- und Barriereprozessen untersucht.

Was daraus derzeit nicht folgt, sind pauschale Versprechen wie:

  • „Fulvinsäure transportiert Mineralstoffe direkt in die Zellen“,
  • „Huminsäuren entgiften Schwermetalle“,
  • „Huminsäuren reparieren die Darmbarriere“,
  • „Fulvinsäuren regulieren sicher das Mikrobiom“.

Für diese weitreichenden Aussagen ist die Human-Evidenz nicht ausreichend.

Der Unterschied zwischen Huminsäure und Fulvinsäure bleibt trotzdem interessant: Er liegt vor allem in ihrer klassischen Löslichkeitsfraktion, ihrer chemischen Zusammensetzung und ihrer Mobilität. Welche biologische Wirkung daraus entsteht, hängt vom konkreten Stoffgemisch, der Dosis und dem jeweiligen Einsatzgebiet ab.

Die sinnvollste Einordnung lautet deshalb: Huminstoffe sind ein spannendes Forschungsfeld mit realen chemischen Eigenschaften und ersten Human-Daten – aber noch kein Freifahrtschein für die vielen Gesundheitsversprechen, die rund um Humin- und Fulvinsäuren kursieren.

Quellen und weiterführende Literatur

Abgelegt unter: Darm , Fulvinsäuren , Gesundheit , Huminsäuren

Über Jann Glasmachers

Mein Name ist Jann Glasmachers, ich bin Inhaber des Gesundheitsfundaments und habe eine abgeschlossene Ausbildung zum Heilpraktiker und holistischen Gesundheits-, Vitalkost- und Lebensberater. Ich blogge mit Leidenschaft, liebe Mikronährstoffe und interessiere mich sehr für die Gesetzmässigkeiten des Lebens und die Geheimnisse der Gesundheit. Nach langjähriger Krankheit habe ich mich auf den Weg gemacht das Puzzle der Gesundheit für mich zusammenzusetzen. Hierbei tun sich jeden Tag neue Erkenntnisse auf. Die Grundformel scheint jedoch universell gültig zu sein. Was sich dahinter verbirgt, lässt sich in dem Gesundheitsfundament nachlesen.

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